Meinung
Kommentar

Gesucht: Ideen für Parkhäuser in Hamburg

Hannah-Lotte Mikuteit
Die Autorin ist Wirtschaftsredakteurin

Die Autorin ist Wirtschaftsredakteurin

Foto: Michael Rauhe / HA

Nicht nur Corona zwingt die Branche zum Umdenken. Was klar ist: Manche Parkhäuser werden ganz verschwinden.

Hamburg. Wer sich in den vergangenen Wochen mal in ein Parkhaus verirrt hat, hat sie erlebt: die große Leere. Tausende Stellplätze sind seit Beginn des Corona-Lockdowns ungenutzt. Allein im Januar sind die Umsätze mit Kurzzeitparkern um 85 Prozent eingebrochen, meldet der Branchenverband. Ja, das ist bitter für die Betreiber.

Denn staatliche Hilfen gibt es bislang nicht. Aber die Corona-Pandemie wirft auch ein Schlaglicht auf grundsätzliche Probleme in den Städten. Ist es sinnvoll, dass riesige Flächen – oftmals in Premiumlage – mit architektonisch wenig attraktiven Parkhäusern vollgeklotzt sind? Längst weiß man, dass das Auto im städtischen Mobilitätsverhalten nicht mehr das Maß aller Dinge ist – auch nicht in Hamburg.

Neue Konzepte müssen her

Die autoarme Innenstadt, die die rot-grüne Koalition ausgerufen hat, weist die Richtung. Neue Konzepte müssen her. Deshalb sind es gute Schritte, dass ein Immobilienentwickler wie die ECE-Gruppe mit 200 Einkaufszentren im Portfolio darüber nachdenkt, überflüssige Parkflächen, etwa am Alstertal-Einkaufszentrum, für den Wohnungsbau zu nutzen.

Oder wenn Europas größter Parkflächenbetreiber Apcoa jetzt ankündigt, Parkhäuser gemeinsam mit Partnern zu digital vernetzten Mobilitätszentren umzubauen. Morgens und abends, wenn viele Flächen leer sind, können dort Logistikdienstleister Sendungen für die „letzte Meile“ umladen. Paketstationen, E-Ladesäulen für Autos, Fahrräder und Scooter, Carsharing-Angebote – die Liste der Nutzungsmöglichkeiten ist lang.

Und warum sollen Parkhäuser nicht auch als Drive-in-Kinos oder Drohnenladestationen genutzt werden? Aber klar ist auch: Manche Parkhäuser werden ganz verschwinden. Die Branche mit dem Ruf, eine Lizenz zum Gelddrucken zu haben, muss radikal umdenken. Jetzt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung