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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

| Lesedauer: 2 Minuten
Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefreakteur Lars Haider und Christoph Schwennicke vom „Cicero“.

Hamburg. Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, ich finde es ja gut, dass wir in Deutschland jetzt versuchen, das Virus so weit niederzudrücken, dass es hoffentlich nie wieder außer Kontrolle gerät. Was sagst du zu den Ergebnissen des jüngsten Corona-Gipfels?

Schwennicke: Man wird so ein wenig abgestumpft nach dem 27. Gipfel dieser Art, geht dir das nicht so? Ich hab schon Mühe, meine Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und die Ergebnisse zur Kenntnis zu nehmen. Was schon deshalb wenig bringt, weil meistens tags darauf wieder jedes Bundesland sein eigenes Ding macht. Kurzum: Diese Gipfel sind zur Karikatur ihrer selbst geworden. Und Frau Merkel merkt das auch, habe ich den Eindruck. Sie versucht kaum mehr, Macht zu simulieren, wo sie keine hat.

Haider: Ja, das stimmt. Man hört, dass der Lockdown bis zum 7. März gehen soll, und weiß unterschwellig, dass das nichts heißen muss. Einige Leser werfen uns vor, dass wir ungerecht gegenüber Politikern sind, weil die diese Lage ja auch zum ersten Mal erleben. Ich finde, dass man sie trotzdem an dem messen muss, was sie entscheiden – eben weil sie die Einzigen sind, die entscheiden.

Schwennicke : Ja. Und für mich ist viel von diesem Gestocher im Nebel verzeihlich, weil dieses blöde Virus eben dauernd eine neue Lage präsentiert. Hier im Vivantes Klinikum gibt es 100 Fälle der Briten-Mutante. Der Chef des Klinikums sagt, das Ding scheint so ansteckend wie die Masern zu sein. Also kaum in der Nähe: zack. Unerbittlich bin ich nur beim Impfstoff und dem Debakel bei der Beschaffung. Da kann man gar nicht genug draufdreschen, am meisten auf die Frau, die in drei Sprachen erlesen reden kann. Aber leider beim Handeln versagt.

Haider: Was die Schulen angeht, sind sich die Länder nicht einig: einige öffnen, andere, wie in Hamburg, tun das nicht. Ist das vielleicht sogar ganz gut, weil man dann verschiedene Wege ausprobieren kann? Oder ist das hochgefährlich?

Schwennicke: Ich glaube, dass man da keine Praxistests mehr braucht. Jeder seriöse Virologe wird dir bestätigen: Klar sind Schulen ein Virenumschlagplatz. Aber dieses Homeschooling im Schlafanzug im Bett mit dem Tablet vor der Nase ist auf Dauer auch keine Lösung.

( HA )

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