Meinung
Leitartikel

Corona müssen Grenzen gesetzt werden

| Lesedauer: 3 Minuten
Christian Unger
Der Autor ist Politik-Redakteur des Hamburger Abendblatts.

Der Autor ist Politik-Redakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Andreas Laible / HA

Es ist richtig, Einreisen zu kontrollieren – und gemeinsam Wege aus der Krise zu suchen.

Es heißt, das Virus kenne keine Grenzen. Es sei global. Das stimmt nicht. Das Virus kennt Grenzen: Wenn ein Mensch mit Corona-Infektion wegen einer geschlossenen Grenze nicht von Großbritannien nach Deutschland einreisen kann oder von Deutschland nach Schweden – dann macht auch das Virus halt. Dann lernt auch Covid-19 die Grenze kennen. Die Folge: Weniger Menschen riskieren, sich anzustecken.

Ohne Frage gilt: Offene Grenzen sind großartige Errungenschaften. Sie haben Europa reich und stark gemacht, gerade Deutschland hat vom freien Verkehr der Waren und der Menschen profitiert wie kaum ein anderes EU-Land. Mobilität ist ein Wirtschaftsfaktor. Und ein Fun-Faktor. Jedenfalls in normalen Zeiten.

In einer Pandemie wird Mobilität zur Gefahr. Jedenfalls solange Menschen sich nicht sorgfältig und lückenlos testen lassen können – solange die Behörden überfordert sind zu überprüfen, ob Einreisende ihre Quarantäne tatsächlich einhalten. Oder am Tag zwei zurück in Deutschland schon wieder draußen unterwegs sind. Solange Menschen meinen, noch Urlaub in Dubai oder Mexiko machen zu müssen.

Asiatische Staaten schließen nach einem Ausbruch neuer Infektionen schnell und rigoros die Grenzen. Und haben damit Erfolg. Europa musste im Sommer schmerzhaft lernen: Es waren vor allem Reiserückkehrer, die Corona wieder stark machten.

Die nun verordneten Einreisestopps aus Staaten, in denen die Corona-Mutation auf dem Vormarsch ist, können helfen, die Pandemie einzudämmen. Sie sind und bleiben aber eine Notfallmaßnahme – andere Schritte bleiben wichtiger. Und: Der Austausch und die Zusammenarbeit der europäischen Staaten ist im Kampf gegen die Pandemie entscheidend. Mobilität von Menschen muss begrenzt bleiben in Corona-Zeiten. Mobilität von Gedanken und Strategien nicht.

Beispiel Impfungen: Die EU muss dringend nachbessern, mehr Impfstoff nach Europa holen, Verlässlichkeit bei den Herstellern erzwingen. Druck kann sie vor allem geschlossen aufbauen. Nationale Alleingänge helfen nicht.

Beispiel Corona-Tests: Die Pandemie wird anhalten. Umso wichtiger ist es, dass EU-Nachbarn sich verständigen, welche Regeln in Zukunft für die Einreise gelten. Zentral sind: schnelle und zuverlässige Tests. Kurz vor und wenige Tage nach dem Grenzübertritt. Noch immer spielen Test-Strategien, der Zugang für jeden EU-Bürger zu günstigen Corona-Tests eine zu geringe Rolle in Europa, auch in Deutschland.

Zugleich bleibt wichtig: Grenzen für schwer Erkrankte müssen offen bleiben. Es ist richtig, dass die Bundeswehr Corona-Patienten aus Portugal in deutsche Kliniken bringt. Solidarität mit den Schwächsten – daran lässt sich gutes Krisenmanagement messen.

„Rette sich, wer kann!“ ist der falsche Weg

Grenzen dichtmachen und dann ein nationales „Rette sich, wer kann!“ – das ist der falsche Weg. Grenzen kontrollieren – und gemeinsam in Europa Wege aus der Pandemie suchen: Nur so wird Corona in Schach gehalten.

Es ist simpel und zugleich teuer, Grenzen zu kontrollieren. Zumindest Flugzeuge, Busse und Bahnen. Es ist schwieriger, eine Impfkampagne für Dutzende Millionen Menschen zu organisieren. Deutschland darf nicht nur bei der Grenzschließung laut sein. Ressourcen der Politik gehören jetzt voll auf: schnelles Impfen.

Einreiseverbote für Menschen aus Ländern mit Corona-Mutationen können nur Ausnahmen auf Zeit bleiben. Grundsätzlich gilt weiterhin: Nicht der Mensch, der die Grenze übertritt, ist das Problem. Sondern das Virus. Und dem gilt es Einhalt zu gebieten.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung