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Corona bietet die Chance, Hamburgs City neu zu denken

Oliver Schade
Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort beim Hamburger Abendblatt.

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Andreas Laible / HA

Weniger Verkehr, eine deutliche Reduzierung der Büroflächen: Die Stadt könnte ihren Bürgern die City als Lebensraum zurückgeben.

Hamburg. Auch wenn es schwerfällt, der Pandemie etwas Gutes abzugewinnen – vor allem mit Blick auf das große Leid, welches Corona über die Menschheit gebracht hat –, so bietet die durch Covid-19 verursachte Krise durchaus Chancen. Corona hat ökonomische und technische Entwicklungen in einem nicht für möglich gehaltenen Tempo vorangetrieben.

Quasi von heute auf morgen haben viele Konzerne das Gros ihrer Mitarbeiter nach Hause geschickt, sie von dort arbeiten lassen – und zur Überraschung vieler Manager funktionierte dieses Homeoffice nach kurzen Anlaufschwierigkeiten meist reibungslos. Nicht nur die Arbeitsergebnisse waren oft gleich gut oder sogar besser. Darüber hinaus sparten sich Millionen von Beschäftigten die An- und Abfahrtswege zur Arbeit und schonten so die Umwelt.

Homeoffice bietet eine große Chance

Gerade für eine Stadt wie Hamburg, die in normalen Zeiten mit enormen Pendlerströmen zu kämpfen hat, bietet Homeoffice eine große Chance, worauf Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nun im Übersee-Club hingewiesen hat. Denn nicht nur der Verkehr könnte so deutlich reduziert werden. Hamburg hätte endlich die Möglichkeit, seine Innenstadt komplett neu zu denken.

Mehr Homeoffice würde auch zu einer deutlichen Reduzierung der Büroflächen in der City führen, weil Unternehmen dann kaum noch Arbeitsplätze für ihre Beschäftigten in der Stadt vorhalten müssten. Wo heute Büros sind, könnten Wohnungen entstehen. Und in die vielen leeren Ladenflächen, die in Zeiten des Onlinehandel-Booms sicherlich nicht weniger werden, könnten nach Corona Restaurants, Bars und Kultureinrichtungen einziehen. Immer mehr Autostraßen würden zu breiten Wegen für Radfahrer und Fußgänger.

Die Stadt könnte ihren Bürgern die City quasi als Lebensraum zurückgeben – eine verlockende Idee!

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