Meinung
Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. Dezember 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Grundrecht aufs Spiel gesetzt

7. Dezember: „Verfassungsschutz soll ,Querdenker‘ überprüfen

Die Anzahl der Corona-Toten steigt, die Zahl der an Covid-19-Erkrankten nimmt weiter zu. Mag sich keiner die Zahlen vorstellen, die es ohne die ganzen Beschränkungen womöglich gegeben hätte? Wie kann es da Extremisten geben, die dieses Virus leugnen und das Grundrecht auf Meinungsäußerung so schamlos auf die Spitze treiben, dass sie Demos durchziehen, ohne die geltenden Spielregeln zu berücksichtigen? Wer ohne Maske demonstriert, hat sein Recht darauf verloren – die Polizei besitzt die Rechtsgrundlage, die Demo aufzulösen oder zu unterbinden. Der Staat muss endlich Stärke zeigen und durchgreifen. Die Freiheit dieser „Querdenker“ muss spätestens dort eingeschränkt werden, wo die Gesundheit anderer gefährdet wird – das ist doch nicht so schwer zu begreifen. Die Corona-Leugner tanzen allen anderen auf der Nase herum, damit muss Schluss sein.

Dietmar Johnen-Kluge

Demut vor dem Leben

5./6. Dezember: „So lebt Goofy im Museumsdorf. Nach Attacken und Verleumdungen von Tierschützern melden sich nun die Schüler des Projektes zu Wort“

Erst einmal Respekt vor den Schülern und Schülerinnen, dass sie ein Leben gerettet haben! Um vegan zu werden, habe ich in die Augen eines mir unbekannten Rindes geschaut und die Schlachthof-Recherchen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender gesehen. Wenn die Schüler ein Anschauungsobjekt benötigen, um zu verstehen, dass Massentierhaltung und Landwirtschaft eine Reform brauchen, ist das auch okay. Die Schüler und Schülerinnen betonen nun, sie hätten durch Goofy viel gelernt – da wäre es doch ein Leichtes, ihn und andere Artgenossen zu begnadigen. Muss denn das Projekt mit dem willentlichen Töten eines friedlichen Lebens enden, nur weil man es kann? Ich habe keine Petition unterschrieben, denn ich hoffe auf das Mitgefühl und die Demut vor dem Leben seitens der Schülerinnen und Schüler.

Daina Jessika Akinde

Ein Tier muss Tier bleiben

Wenn Kinder an Tierhaltung und Schlachtung herangeführt werden sollen, dann muss das Tier auch wie ein Nutztier behandelt werden. Kindern ist nicht zuzumuten, dass ein von ihnen begleitetes Tier einen Namen bekommt und Streicheleinheiten und dann geschlachtet wird. Mein Großvater auf dem Lande sagte immer „ein Tier muss Tier bleiben“, das bedeutete, die Katze durfte nicht auf dem Esstisch herumspazieren, nicht ins Bett, der Hund durfte uns nicht lecken und wurde nicht wie ein Partner(-ersatz) behandelt. Mir schmeckte als Kind kein Kaninchenfleisch, angeblich „weil es anders gemasert war“. Wahrscheinlich hatte ich aber das Tier durchs Füttern lieb gewonnen.

Ingrid Wulf

Die Macht der Konsumenten

5./6. Dezember: „Weihnachten ohne Amazon. Corona krempelt eine Branche um und verändert ganze Stadtteile – und Bürger und Politik schauen zu oder machen mit“

Es wird höchste Zeit, das Thema Amazon endlich einmal auf die Tagesordnung zu setzen. Die Krisen-Gewinne der international agierenden Konzerne, die in unserem Land weder Steuern zahlen, noch Kunsthallen renovieren oder über Stiftungen und Spenden im Bereich von Kultur und Sozialem etwas von ihrem Reichtum abgeben, sind unerträglich. Diese Tatsache ist seit Langem bekannt, und es wird Zeit, dies zu ändern, hier ist die Politik in der Verantwortung. Den Rest der Verantwortung tragen die Konsumenten, die aus Bequemlichkeit und zwecks rascher Bedürfnisbefriedigung ethische Aspekte ihres eigenen Handelns beiseiteschieben. Wenn sich die Gesellschaft der Konsumenten nicht auf ihre Verantwortung und politische Macht durch bewusste Steuerung des Konsums besinnt, unterstützt sie weiterhin gigantische und nicht sozial rückgebundene private Profitaneignung, prekäre Ar­beits­bedingungen, eine unfassbare Öko-Bilanz durch Verpackungsmüll und Transport und vor allem eine Schwächung all der Geschäfte und Firmen vor Ort, die Steuern zahlen und gerade jetzt unsere Unterstützung benötigen. Vielleicht ist statt sofortiger Bedürfnisbefriedigung mit 24-Stunden-Garantie jetzt einmal eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit zum Aufschub derselben angezeigt. Die Alternative zum Schlangestehen vor Geschäften ist jedenfalls nicht Amazon, sondern beispielsweise ein Gutschein. Geschenke machen auch Freude, wenn sie nach Weihnachten erst besorgt oder geliefert werden können und wenn uns der asoziale Amazon-Kontext erspart bleibt. Weihnachten ohne Amazon ist nicht nur denkbar und möglich, sondern dringend nötig.

Angela von Elling, Hamburg

Argumente überzeugen nicht

5./6. Dezember: „Sternbrücke: Denkmalrat protestiert gegen Pläne“

Auch wenn der Denkmalrat sich fleißig aus dem Repertoire seiner Textbausteine bedient: Er überzeugt nicht. Mit keinem Wort geht er auf die aktuellen Probleme ein: die eingeschränkte Sicherheit für Fußgänger, Radfahrer und Autos auf der Straße durch beengende Stützen und zu geringe Durchfahrtsbreiten. Dafür mehr Sicherheit auf der Schiene durch größere Gleisabstände und größere Radien für Begegnungen von ICE-Zügen auf der Brücke. Allerdings: Bei aller unabweisbaren Notwendigkeit des geplanten Neubaus ist den Kritikern an dessen Gestalt uneingeschränkt zuzustimmen. Derart klobig und brutal muss das Erscheinungsbild der Brücke nicht sein. Das ginge auch anders, wenn der Senat nur wollte. Wenn schon den Planern der Bahn nichts Besseres einfällt, könnte ein Architekturwettbewerb zu einer besseren Lösung führen.

Hans Lafrenz

Klimaschutz im Spreehafen

5./6. Dezember: „Hamburgs Zukunftshafen – das sind die Ideen! Nur noch auf steigende Containerzahlen zu setzen, das war gestern“

Bei den Visionen für die Zukunft des Hamburger Hafens trifft vor allem Henning Vöpel den Nagel auf den Kopf, dass sich Grundsätzliches ändern muss und es beileibe nicht ausreicht, nur einzelne Strukturen anzupassen. Schließlich gibt es ja auch Gegenbeispiele wie Rotterdam, wo – anders als in Hamburg – das zuständige Management eben nicht die maritimen und urbanen Megatrends wie die Digitalisierung und die Nachhaltigkeit verschläft, sondern bereits seit etlichen Jahren ein gemeinsames Ökosystem von kreativen Start-ups und der alteingesessenen Hafenwirtschaft verwirklicht hat sowie den Aufbau von größeren Biotopen, um CO2 zu speichern. Deshalb hilft hier am Ende nur ein echtes disruptives Umdenken aus der Misere, zumal es gerade an Orten wie etwa dem Spreehafen genügend Freiflächen gibt, um endlich mit einer grünen Offensive für den gelebten Klimaschutz zu beginnen.

Rasmus Ph. Helt

Positives vom Datenschutz

28./29. November: „In eigener Sache. Wie der Datenschutzbeauftragte auf kritische Kommentare reagiert“

Die Datenschutzbehörde hat auch Erfolge vorzuweisen. Erinnern möchte ich an das Bußgeld gegen H&M in Höhe von 35,3 Millionen Euro wegen des Ausspähens von Mitarbeitern. Dieser Betrag gelangt in den Haushalt der Freien und Hansestadt Hamburg. Es arbeiten in der Datenschutzbehörde auch hoch qualifizierte Juristen, und wir brauchen auch diese Behörden. Ich hoffe, die Arbeit der Datenschutzbehörde wird weiterhin von der Bevölkerung anerkannt.

Harald Kalla

Der Kunde ist „Störer“

5./6. Dezember: „Warum man bei der Post so lange warten muss“

Die meisten Geschäfte öffnen um 8 Uhr, die Post im Tibarg Center empfängt ihre Kunden ab 10 Uhr – Öffnungszeiten jenseits von Gut und Böse. Es kommt auch vor, dass man wegen einer Betriebsversammlung erst ab 15 Uhr empfangen wird, dann steht man mit seinem Paket in der Warteschlage und platzt vor Wut. Früher hieß es „der Kunde ist König“, heute „der Kunde ist Störer“.

Heinz Wilhelm Gautier

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