Meinung
Kommentar

Drug-Checking ist nur eine „Notbremse“

Catharina Jäckel

Catharina Jäckel

Foto: Axel Leonhard

Drogenkonsum nicht bekämpfen, sondern sicherer machen. Darauf zielt ein Gesetzesentwurf aus Hessen ab, den Hamburg im Bundesrat unterstützt. Beim „Drug-Checking“ sollen Partygänger ihre Rauschmittel im Vorfeld auf gesundheitsschädliche Substanzen anonym testen lassen können. Klingt gut – vor allem für Konsumenten, die regelmäßig zu chemischen Drogen greifen. Es ist jedoch fraglich, ob es das richtige Mittel ist, um Jugendliche besser zu schützen.

Erst vor wenigen Wochen ist ein 16 Jahre altes Mädchen in Winterhude an einer Überdosis Ecstasy gestorben. Eine 13-Jährige wurde Mitte November ebenfalls mit einer Ecstasy-Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert und liegt seitdem im Koma. Drug-Checking hätte die Ecstasy-Vergiftungen der beiden Mädchen wahrscheinlich nicht verhindert.

Es kann bezweifelt werden, dass jugendliche Dealer ihre Drogen vor der privaten Party testen lassen, selbst wenn der Schnelltest anonym bleibt. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass eine bereits betrunkene 13-Jährige eine Ecstasy-Pille vor Einnahme noch auf ihre Inhaltsstoffe prüfen lassen möchte. Und selbst wenn es sich um „reinen“ Stoff handelt. Vor einer Überdosierung schützt das Verfahren nicht. Extrem hoch dosierte Drogen können per Schnelltest zwar identifiziert werden, eine junge Frau mit vergleichsweise geringem Körpergewicht dürfte jedoch deutlich weniger vertragen als ein erwachsener Mann.

Drug-Checking ist also eher eine Art Notbremse der Politik. Wenn es schon nicht möglich ist, den Rausch zu verhindern, soll er zumindest „geprüft“ werden – gefährlich bleibt der Konsum. Kritiker meinen sogar, dass der Schnelltest eine Art „Freifahrtschein“ liefere und so noch zum Konsum ermutige. Ausschließen lässt sich das zwar kaum, die intensive Auseinandersetzung mit den Inhaltsstoffen schadet Abhängigen aber mit Sicherheit nicht. Wie wirksam das Verfahren ist, hängt demnach auch mit der Zielgruppe zusammen.

Insbesondere mit Blick auf die Jugendlichen ist es sinnvoller, früher anzusetzen. Aufzuklären, bevor die Pillen in die Hände der jungen Feiernden fallen. Statt Geld in neue Pilotprojekte fließen zu lassen, sollte man nachweislich wirksame Suchtprävention an Schulen und anderen Einrichtungen stärken.