Meinung
Kommentar

Systemrelevanter Sport: Staat braucht gesunde Bürger

Abendblatt-Sportredakteur Rainer Grünberg

Abendblatt-Sportredakteur Rainer Grünberg

Foto: Mark Sandten

Die Zahlen sind dramatisch, waren aber erwartbar. Mehr als 70.000 Hamburgerinnen und Hamburger haben in diesem Jahr ihre Mitgliedschaft in einem Verein oder in einem Fitnessstudio gekündigt. Zum Jahresende wird eine zweite Austrittswelle befürchtet. Dass es in der Stadt weiter 800.000 organisierte Sportlerinnen und Sportler gibt, ist die gute Nachricht. Sie lässt hoffen, dass sich der Trend 2021 dreht, sollten Hallen und Plätze wieder verlässlich aufgesperrt werden. Schließlich stieg in Hamburg die Zahl der Sporttreibenden in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich. Bis Corona kam.

Noch versetzt der Mitgliederschwund die Clubs nicht in existenzielle Nöte, Hilfsprogramme überbrücken kurzfristige Liquiditätsengpässe. Sollte der Lockdown bis ins Frühjahr verlängert werden, droht vor allem kleineren Fitness- und Wellnessstudios das Aus.

Dramatisch sind nicht nur die Austrittszahlen, Hauptproblem bleiben fehlende Sportmöglichkeiten – gerade in der kälteren Jahreszeit. Mediziner fürchten deshalb mehr als das Virus selbst die Folgen der sportlichen Aussperrung. Bewegungsmangel führt zu Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Beschwerden und Diabetes, zu unkalkulierbaren Milliardenkosten für unser Gesundheitssystem und die Wirtschaft, die physisch und psychisch belastbare Arbeitnehmer braucht.

Sport und Bewegung sind system­relevant. Mit Kranken ist kein Staat zu machen, die Herausforderungen unserer Zeit brauchen vitale Bürgerinnen und Bürger. Vereine/Studios haben in den vergangenen Monaten mit teuren, ausgeklügelten Hygienekonzepten bewiesen, dass sie Sport mit Abstand organisieren können. Im Sinne des Allgemeinwohls und Stärkung der Abwehrkräfte sollte die Politik ihnen so schnell wie möglich wieder die Chance dazu geben.