Meinung
Kommentar

Das Schweigen des Senats zur Corona-Impfung ist falsch

Der Autor ist Chefreporter der Lokalredaktion des Abendblatts.

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Foto: Monika Drews / HA

Wie sollen die ersten Hamburger ab Mitte Dezember geimpft werden? Der Senat schweigt. Er will Unsicherheit vermeiden.

Hamburg. Eigentlich gibt es keine bessere Zeit für Antworten als Dienstag, 12.30 Uhr. Wie jede Woche saß der Senatssprecher gestern Mittag zum „Corona-Briefing“ in der Landespressekonferenz – und auch die drängendsten Fragen waren erwartbar. Mit welcher Linie geht Hamburg in die entscheidende Corona-Runde der Bundesländer? Und wie sollen die ersten Hamburger ab Mitte Dezember geimpft werden? Mehr als Allgemeinplätze gab es zu beiden Themen nicht. Der Senat schweigt. Er will Unsicherheit vermeiden. Teilweise erreicht er damit aber das Gegenteil.

Denn während bundesweit die Länder entweder bereits ein Konzept für die Impfungen vorgelegt oder sogar schon Zentren errichtet haben, hinkt Hamburg hier zumindest in der Kommunikation hinterher. So entsteht der Eindruck, dass auch die Planung noch nicht ausgereift ist. Auf den Behördenfluren wird zwar glaubhaft und energisch das Gegenteil versichert – tatsächlich gebe es schon ein genauen Ablauf. Nur mitteilen wolle man ihn (noch) nicht. Dabei hat die Hoffnung auf die Impfung nicht nur für die Moral der Hamburger enorme Bedeutung. Die Mehrheit, die sich in diesem trüben November treu an alle Regeln hält,
darf auch Transparenz einfordern.

Nach der heutigen Konferenz der Ministerpräsidenten will Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) über die Lage sprechen. Er wird – nach allem, was absehbar ist – über verlängerte Einschränkungen reden müssen und eine Corona-Situation, die immer noch kritisch ist. Und es war richtig, nicht schon vorher öffentlich über verlängerte Verbote diskutiert zu haben. Je länger dieser zweite Lockdown dauert und je belastender er für viele Menschen wird, desto mehr wächst aber auch die Pflicht, die berechtigte Hoffnung auf ein Ende der Misere nicht unnötig zu bremsen.