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Zwischen Hamburg und Berlin

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Ein E-Mail-Wechsel zwischen dem Hamburger Abendblatt und "Cicero".

Hamburg/Berlin.  Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, wollen wir die nächste Wette eingehen, nachdem ich bei der US-Präsidentenwahl so knapp verloren habe (wobei: Wenn nur die legalen Stimmen gezählt worden wären, dann hätte Trump und damit auch ich gewonnen …, kleiner Scherz). Also: Ich glaube, dass Friedrich Merz auf keinen Fall der nächste Vorsitzende der CDU sein wird.

Schwennicke: Dann wird das diesmal leider nichts mit einer Wette, lieber Lars.

Haider: Soll heißen? Ich dachte ja immer, Armin Laschet würde es werden – aber ich bin mir gar nicht sicher, ob Norbert Röttgen nicht doch mehr sein könnte als ein Außenseiter. So nach dem Motto: Wenn zwei, Laschet und Merz, sich streiten, freut sich der Dritte. Komm, damit die Wette klappt: Ich setze auf Röttgen!

Schwennicke: Okay, Handschlag drauf! Laschet wird das Rennen machen. Nicht, weil er so rundum brillant und über alle Zweifel erhaben wäre. Sondern, weil er sowohl ein Parteiamt (Vorsitzender des größten Landesverbands) als auch ein Exekutivamt (Ministerpräsident im bevölkerungsreichsten Flächenland) innehat. So einen Kandidaten lässt man nicht verlieren.

Haider: Warum glaubst du, dass Merz trotz der angekündigten Unterstützung der Jungen Union keine Chance hat?

Schwennicke: Die Unterstützung war bei Lichte betrachtet nicht so doll. Wie groß war die Wahlbeteiligung? 18 oder 28 Prozent? Und bei allem Respekt vor Tilman Kuban und seiner JU. Sie sind nicht die CDU. Kann sein, dass ich mich täusche. Wenn der Merkel-Koller in der CDU größer ist, als ich vermute, dann würde es Merz.

Haider: Ich wundere mich, dass ausgerechnet er bei jungen Leuten sehr gut anzukommen scheint. Oder wäre alles ganz anders, wenn Spahn in erster Reihe antreten würde und nicht nur im Duo mit Laschet?

Schwennicke: Ja, dann wäre das ganz anders. Spahn wäre der Game Changer.

Haider: Was macht Merz falsch? Ist er zu sehr ein Mann der Vergangenheit?

Schwennicke: Ich habe Respekt vor allen dreien. Respekt habe ich insbesondere vor Merz, weil er unbequeme Wahrheiten und Themen unerschrockener anspricht als andere in der CDU. Er hat nur das Talent, sich manchmal selbst im Weg zu stehen.

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