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Boldt-Flirt mit der AS Rom: HSV sollte ruhig bleiben

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Abendblatt-Sportredakteur Henrik Jacobs

Abendblatt-Sportredakteur Henrik Jacobs

Foto: Michael Rauhe / HA

Dem Sportvorstand des HSV wird ein Flirt mit AS Rom nachgesagt. Das Machtkonstrukt des Clubs wird erneut auf die Probe stellt.

Hamburg. Wer dieser Tage in die verschiedenen Foren schaut, in denen sich HSV-Fans austauschen, wird vor allem auf ein Thema stoßen: Jonas Boldt und die Frage „Was läuft da mit der AS Rom?“. Seit einer Woche werden das anlaufende Vertragspoker des Sportvorstandes und ein möglicher Abgang so kontrovers diskutiert wie kein anderes Thema. Die Auszüge reichen von „Der hat die Raute nicht im Herzen. Kann weg“ bis zu „Bester Mann. Unbedingt sofort verlängern“.

Nachdem zuletzt von einer zweiten Verhandlungsrunde zwischen Boldt und Rom berichtet wurde, fragen sich jedoch immer mehr Außenstehende: Was soll das eigentlich? Und vor allem: Darf der das eigentlich? Oder um es mit Giovanni Trapattonis Worten zu sagen: Was erlauben Boldt? Zweitere Frage ist dabei leicht zu beantworten. Natürlich darf Jonas Boldt mit möglichen Interessenten sprechen. Zumal sein Vertrag im kommenden Jahr ausläuft und sich der Aufsichtsrat bislang nicht klar zur Zukunft des Managers geäußert hat.

Boldt-Flirt: Was soll das Ganze eigentlich?

Fragt man Boldt selbst, ist von Gesprächen mit Rom allerdings gar keine Rede. „Die Gespräche, die ich bisher geführt habe, sind mit den Protagonisten des HSV. Und das inzwischen schon seit eineinhalb Jahren“, sagte Boldt am Mittwochabend nach dem 3:0-Sieg gegen Erzgebirge Aue. „Wir sind auf einem guten Weg und permanent im Austausch. Das ist, was mich interessiert“, so Boldt, der bereits am Sonnabend signalisiert hatte, den eingeschlagenen Weg mit dem HSV weitergehen zu wollen. Und auch Aufsichtsratschef Marcell Jansen betonte, den Weg des vertraulichen Austausches fortzusetzen.

Bleibt also noch erstere Frage: Was soll das Ganze eigentlich? Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst einmal analysieren, wer in der Entscheidungshierarchie des HSV derzeit eigentlich ganz oben steht. Nach der Freistellung des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann im März führen Boldt und Frank Wettstein die Geschäfte der HSV Fußball AG in Doppelfunktion. Eine „funktionierende“ Zusammenarbeit, wie sie selbst sagen. Kritiker meinen, dass es unbedingt eines zusätzlichen Vorstandsvorsitzenden bedürfe, alleine schon um bei unternehmerischen Entscheidungen eine klare Mehrheit herbeizuführen.

Boldt wünscht sich eine schnelle Entscheidung

An dieser Stelle kommt Marcell Jansen ins Spiel. Nicht als potenzieller Vorstandschef – auch wenn ihm dieses Interesse immer wieder nachgesagt wird. Sondern als Vorsitzender des Aufsichtsrats, der für die Besetzung der Vorstandsposten verantwortlich ist. Auf dem Papier ist Jansen aktuell der mächtigste Mann beim HSV. Durch seinen guten Draht zu Investor Klaus-Michael Kühne und dessen Interessenvertreter im Aufsichtsrat, Markus Frömming, achtet Jansen zudem darauf, dass der Milliardär trotz der öffentlichen Zurückhaltung im Hintergrund in die wichtigen Entscheidungen des Unternehmens eingebunden ist.

In diesem Machtkonstrukt aus unterschiedlichen Einzelinteressen gilt die Vertragsverlängerung mit Boldt als entscheidender Baustein für die künftige Ausrichtung des Clubs und die Frage, ob es zu neuen machtpolitischen Grabenkämpfen kommen könnte. Boldt, so ist zu hören, wünscht sich eine schnelle Entscheidung, um die langfristige Planung des HSV voranzutreiben.

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Boldt hat mit dem HSV noch nicht fertig

Der Aufsichtsrat tut allerdings gut daran, sich anders als in der Vergangenheit bei dieser strategisch wichtigen Entscheidung nicht treiben zu lassen. Wenn das Kontrollgremium mit Boldt verlängern will, dann muss es das tun, weil es von Boldts Arbeit überzeugt ist. Und nicht, weil dieser – ob lanciert oder nicht – von anderen Clubs umworben wird. Genau auf diese Weise hat sich der HSV in der Vergangenheit zu kostspieligen Vertragsverlängerungen etwa mit Trainer Markus Gisdol oder Stürmer Bobby Wood treiben lassen.

Wenn Boldt beim HSV bleiben will, wird er auch noch etwa bis zur nächsten Länderspielpause warten können, um sich mit den Gremien zusammenzusetzen. Denn wer genau hinhört, wird in den Aussagen des Sportvorstandes ziemlich deutlich verstehen können: Boldt hat mit dem HSV noch nicht fertig.

Wie wahrscheinlich ist ein Abgang von HSV-Vorstand Boldt?

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