Meinung
Kolumne Sportplatz

HSV: Der Fußball wird Corona trotzen

Kai Schiller ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Kai Schiller ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Marcelo Hernandez

Wo Fürth das noch alles hin? Zum dritten Mal seit März muss der HSV zur Partie bei der Spielvereinigung fahren. Eine Zeitreise.

Hamburg. Die beste Nachricht gleich zu Beginn: Nein, der Fußball ist nicht kollabiert. Noch nicht. Dabei war genau das die Befürchtung, die man vor sieben Monaten haben musste, als diese verdammte Corona-Pandemie von heute auf morgen auch den Fußball fest in den Würgegriff nahm. „Dem Fußball droht der Kollaps“, stand über einem Kommentar im Abendblatt, der die kurzfristige Absage des Auswärtsspiels des HSV bei der SpVgg Greuther Fürth thematisierte.

Die Spielansetzung des HSV in Fürth ist tatsächlich ein guter Parameter, um das Auf und Ab des Fußballs in Zeiten von Corona genauer zu beleuchten. Denn bereits zum dritten Mal in den vergangenen sieben Monaten machen sich die Hamburger an diesem Freitag auf den Weg nach Franken. Und jede dieser drei Reisen darf symbolisch für eine der drei Phasen der bisherigen Corona-Zeit herhalten.

Geisterspiele auch beim HSV

So war Spiel Nummer eins am 13. März als Geisterspiel angesetzt – und wurde wenige Stunden vor dem geplanten Abpfiff abgesagt. Es war die Hochphase der ersten Corona-Welle, die auch im Fußball alles zu verschlingen drohte. Der Ligabetrieb wurde zunächst auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, Spieler und Trainer wurden ins Homeoffice geschickt. Die ernste Sorge, dass der eine oder andere Fußballclub den Lockdown nicht überleben würde, war groß.

Genauso das Aufatmen, als der organisierte Fußball gut zwei Monate später den Neustart wagte. Die Corona-Fallzahlen gingen runter, das Gesundheitssystem hatte standgehalten – und auch der Fußball war dem drohenden Kollaps vorerst entkommen. Trotz großer Zweifel in der Bevölkerung hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) dank eines ausgefeilten Hygienekonzepts die ­Erlaubnis der Politik bekommen, eine Art Vorreiterrolle mitten in der Krise zu übernehmen.

Bundesligasaison trotz Corona zu Ende gespielt

The Show must go on – auch für den HSV. Die Hamburger reisten erneut nach Fürth – und durften am 17. Mai auch spielen. Zwar war es wieder nur ein Geisterspiel, das diesmal aber unter ganz anderen Voraussetzungen als zwei Monate vorher stand. Denn diesmal überwog nicht die Sorge vor dem Kollaps, sondern die Hoffnung auf die Rettung.

Und tatsächlich: Trotz einer zweiwöchigen Quarantäne, die Dynamo Dresden über sich ergehen lassen musste, wurde die Saison über die Bühne gebracht. Die TV-Gelder, die zuvor auf der Kippe standen, wurden ausgezahlt, die Spieler verzichteten auf Teile des Gehalts, und der Gürtel wurde enger geschnallt. Die wichtigste Erkenntnis: Der Fußball hatte es geschafft.

Hatte er das?

HSV vs. St. Pauli: Kann das Hamburger Derby stattfinden?

Auf den Tag fünf Monate nach dem letzten Auswärtsspiel des HSV in Fürth, das übrigens 2:2 ausging, müssen die Hamburger an diesem Sonnabend nun erneut im Sportpark Ronhof antreten. Dank der geringen Sieben-Tage-Inzidenz von nur 14,0 in Fürth sogar vor Zuschauern. 3325 Fans dürfen ins Stadion kommen – wovon niemand vor der Absage des ersten Fürth-Duells im März zu träumen gewagt hätte.

Also Ende gut, alles gut? Leider nein! Denn längst schwappt auch über Deutschland die zweite Corona-Welle – und sorgt erneut dafür, dass Sorgen und Skepsis gegenüber Hoffnung und Aufbruch triumphieren. Das Spiel des HSV gegen Aue wurde nach zwei positiven Testungen verschoben, die halbe Mannschaft von Osnabrück ist in Quarantäne, und Trainingseinheiten beim 1. FC Nürnberg und Holstein Kiel mussten nach Corona-Fällen ausfallen. Beim HSV ist Stephan Ambrosius in Quarantäne, Kollege Manuel Wintzheimer verpasste mehrere Einheiten. In Fürth darf zwar vor Zuschauern gespielt werden, in Hamburg ist daran aufgrund der steigenden Inzidenzen nicht mehr zu denken. Das Derby am 30. Oktober zwischen dem HSV und St. Pauli, das scheint schon klar, dürfte maximal vor 1000 Fans stattfinden – wenn es denn stattfindet.

Bleibt also die bange Frage zum Schluss: Wohin Fürth das alles?

Die hoffnungsvolle Antwort ganz am Ende: nicht zum Kollaps. Der Fußball wird Corona trotzen – genauso wie das ganze Land es auch schaffen wird. In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!