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E-Mails zwischen Hamburg und Berlin

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und "Cicero".

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, Donald Trump ist noch irrer, als wir alle gedacht haben – und hat spätestens in dieser Woche seine kleine Chance verspielt, die Wahl doch noch zu gewinnen. Was sagst du?

Schwennicke: Hab ich da eine kleine Unschärfe in meinem Erinnerungsvermögen? Haben wir nicht eine öffentliche Wette laufen? Du hast gesagt: Er wird wiedergewählt, und ich habe gesagt: Nein, wird er nicht. Schau doch noch mal in den alten Ausgaben des Abendblatts nach. Du musst nicht weit blättern.

Haider: Ich weiß, die Wette habe ich verloren. Ein Glück! So hat Corona auch einmal etwas Gutes gehabt. Das Virus hat auch dem letzten Amerikaner gezeigt, was für ein Typ da im Weißen Haus sitzt. Vielleicht sollten wir lieber über Berlin sprechen. Verliert euer Senat, der ja sowieso oft überfordert wirkt, die Kontrolle über das Infektionsgeschehen?

Schwennicke: Noch hast du die Wette nicht verloren, ich bin mir gar nicht so sicher, wie du vielleicht denkst. Aber eine Wette geht ja nur, wenn man sich festlegt. Wir werden sehen. Berlin ist furchtbar, ganz furchtbar. Politisches Versagen auf ganzer Linie. Ich empfehle dringend die Methode Madrid.

Haider: Wieso bist du dir in Sachen Trump nicht sicher?

Schwennicke: Einigermaßen sicher.

Haider: Und zu Berlin: Was läuft da im Senat falsch? Michael Müller ist für mich die Personifizierung der Schluffigkeit ...

Schwennicke: Die können es nicht. Berlin sollte daher unter das politische Protektorat des Bundes gestellt werden. Mit Besatzungszonen hat die Stadt ja Erfahrung. Das meinte ich mit der Methode Madrid. Da hat die Stadtregierung auch versagt, und Sánchez, der Ministerpräsident, hat einfach übernommen und die Stadt abgeriegelt. Merkel hat Müller jetzt mehrfach einen vor den Latz geknallt. Jetzt sollte sie handeln. Wie der Spanier.

Haider: Ich biete dir ’ne neue Wette an: Wetten, dass Michael Müller nicht mehr lange Regierender Bürgermeister ist??

Schwennicke: Ich will, dass du diese Wette gewinnst. Ich rede ja nur noch vom „Resignierenden Bürgermeister“.

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