Meinung
Glosse

Ich mache mein Auto zum Horst

Tino Lange
Tino Lange ist Kulturredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Tino Lange ist Kulturredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Klaus Bodig / HA

Viele Deutsche geben ihren Fahrzeugen eigene Spitznamen – Herbie, Dicker und Baby sind als Gefährten auch ein Teil der Familie.

Hamburg. „Papa, warum heißt unser Auto denn Daisy?“, fragt mich meine Tochter manchmal. Die Antwort ist so einfach wie kompliziert für eine Vierjährige: Weil wir einen Citroën DS 3 fahren. DS, Dee Ess, Daisy. Zwar hat das Fahrzeug wenig gemein mit der von 1955 bis 1975 aus den Werkhallen schwebenden DS, der „Göttin“, aber wir mögen sie, wenn nicht gerade die Kupplung abraucht. Regelmäßige Lesende dieser Rubrik werden sich vielleicht erinnern.

Eine Umfrage der Tankstellen-Kette HEM vor dem kommenden „Gib-deinem-Auto-einen-Namen-Tag“ am 2. Oktober hat übrigens ergeben, dass von den knapp 1500 Befragten 34 Prozent ihrem Fahrzeug einen Spitz- oder Kosenamen geben. In einem Land, in dem die Daimler-Motoren Gesellschaft ihre ersten Vehikel bereits um 1900 Mercedes nannte, eigentlich keine große Überraschung. Nicht zu vergessen der legendäre Volkswagen Typ 1, der zuerst in den USA und in den 60er-Jahren auch hier einfach nur Käfer genannt wurde. Das ist keine Ente.

Autos gehören zur Familie

Warum nun die Fortbewegungsmittel Herbie, Dicker, Kuddel, Baby oder Horst genannt werden, ist schwer erklärbar. Im Prinzip gehören Autos ja zur Familie und haben ihre ganz eigenen Persönlichkeiten und Marotten. Und die zeittypischen Modellnamen ab Werk wie Almera Tino, Mokka, Aygo und ID.4 oder Zungenbrecher wie SsangYong Rexton MY20 schreien nach Verliebkosung.

Übrigens sollen angeblich 60 Prozent der Männer ihren Autos Spitznamen geben, aber nur 25 Prozent der Frauen. Eigentlich lädt das dazu ein, sich über den Autofimmel von Männern lustig zu machen. Aber als Vater, der seine Tochter nach einer englischen Rennwagenmarke – Lola – benannt hat, halte ich lieber die Klappe zu.

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