Meinung
Kolumne „Sie haben Post“

Zwischen Hamburg und Berlin: Unbehagen an der Maske

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero

Im E-Mail-Wechsel zwischen Christoph Schwennicke und Lars Haider geht es um Karl Lauterbach, Jens Spahn – und Christian Drosten.

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, wenn in Hamburg sich schon nur jeder dritte Besucher ordentlich in die Kontaktlisten von Restaurants und Bars einträgt, möchte ich nicht wissen, wie das in Berlin ist (kleiner Scherz). Was sind deine Erfahrungen? Und gehst du überhaupt wieder regelmäßig in Lokale?

Schwennicke: Hier läuft das alles streng nach Vorschrift … :-) Ich gehe schon ab und zu wieder in Lokale, lieber draußen natürlich, aber damit dürfte ja jetzt Schluss sein. Hatte am Dienstag sogar eine Veranstaltung mit etwa 50 Leuten in einem Hotelsaal. Ganz wohl ist mir bei so was nicht. Im Zug auch nicht. Aber wir können uns ja nicht einigeln für ein weiteres Jahr. Spahn redet schon von Maske bis Ende 2021. Als ich das hörte, wurde mir ganz blümerant. Ich hatte immer gehofft, Anfang 2021 ist der Spuk vorbei.

Haider: Ich auch. Aber das Hin und Her scheint weiterzugehen. Gestern hieß es, der Impfstoff könne noch in diesem Jahr kommen, morgen wird dann von Mitte 2021 gesprochen. Nervenaufreibend. War neulich auf einem Elternabend, mit 25 erwachsenen Menschen in einem Klassenraum, außer mir hatten nur drei eine Maske auf. Und ich habe mich getraut zu fragen, ob das alles so richtig ist. In einer ähnlichen Situation hat jemand neulich zu mir gesagt: Nun stell dich mal nicht so an … Verrückte Zeiten.

Schwennicke: Gestern hab ich im Affekt und aus Versehen das erste Mal seit Monaten jemandem die Hand geschüttelt. Das hat sich echt gut angefühlt! Hab dann gleich die Hände gewaschen und desinfiziert. Es ist absurd alles. Surreal.

Haider: Und Lauterbach und Drosten werden nicht müde zu warnen, dass alles noch schlimmer werden könnte. Ich frage mich, selbst wenn das stimmt: Nimmt das den Leuten nicht viel von der Kraft, die wir brauchen, um konsequent die AHA-Regeln zu beachten?

Schwennicke: Aber wenn man sich nicht dem Reflex ergibt, den Überbringer der Botschaft für die Botschaft verantwortlich zu machen, dann muss man sagen: Drosten ist gut im Stoff. Und er bleibt selbst bei heftigsten Anfeindungen ruhig und sachlich.