Meinung
Kommentar

Modegeschäfte leiden unter dem Homeoffice – und jetzt?

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort beim Hamburger Abendblatt.

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Andreas Laible / HA

Für den Modehandel, der sich auf Businesskleidung konzentriert hat, ist diese Form des Arbeitens ein Verlustgeschäft.

Hamburg. Wer die Krise im Modefachhandel verstehen will und aktuell im Home­office arbeitet, muss sich nur mal kurz vor den heimischen Spiegel stellen und an sich herunterschauen. Statt Hemd, Anzug, Businesskleidung sehen die meisten eine bequeme Jogginghose, ein T-Shirt oder Kapuzenpulli und Hausschuhe. Vielleicht hängt in der Nähe des heimischen Schreibtisches noch ein gebügeltes, weißes Hemd für die Videoschalte am Nachmittag. Schließlich soll der Chef am anderen Ende der Leitung nicht den Eindruck bekommen, man verwahrlose daheim.

So sehr Homeoffice auch ein Gewinn für den einzelnen Beschäftigten und seinen Arbeitgeber sein kann, für den Modehandel, der sich auf Businesskleidung konzentriert hat, ist diese Form des Arbeitens ein Verlustgeschäft. Da werden Umsatzrückgänge von 50 Prozent im Corona-Jahr 2020 schon als Erfolg gefeiert. Und in den Aussagen vieler betroffener Händler schwingt die Hoffnung mit, bereits 2021 den Vor-Corona-Zustand zu erreichen.

Doch die Chancen der meisten Modehändler, mittelfristig erneut die Zahlen aus den guten, alten Zeiten ausweisen zu können, sind in etwa so wahrscheinlich wie die der Lufthansa, auf der Strecke Hamburg–Frankfurt jemals wieder die Passagierzahlen von 2019 zu vermelden. Sie liegen nahe null. Denn selbst wenn Corona eines Tages aus unserem Alltag verschwunden sein wird, zwei Trends sind unumkehrbar: mehr Homeoffice und weniger Dienstreisen. Modehändler, die langfristig überleben wollen, müssen deshalb ihre Strategie an die neuen Zeiten anpassen. So könnten Sortimente erweitert, die Beratung als Unterschied zur Konkurrenz ausgebaut oder die Onlinepräsenz verbessert werden. Der Markt wird nach Corona enger – übrig bleiben nur die Kreativen und Flexiblen.