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Kommentar

Corona-Krise: Das Kino muss gewinnen

Maike Schiller leitet das Kultur-Ressort beim Hamburger Abendblatt.

Maike Schiller leitet das Kultur-Ressort beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Mark Sandten / Funke Foto Services

Ein Filmfest ist ein geselliges Unterfangen. Die Veranstaltung, wie sie sich in Hamburg versteht, ist auch ein Fenster in die Welt.

Hamburg. Der Film und das Buch seien die kulturellen Corona-Gewinner, hieß es bisweilen in der Hochphase des Lockdowns. Weil plötzlich (bei manchen) so viel Zeit war zum Lesen und zum Gucken und weil es zunächst an Unterhaltungsalternativen mangelte. Theater, Konzerthäuser, Kabaretts – war ja alles geschlossen. Auch die Kinos waren lange zu und fürchten seit ihrer Öffnung um ihr Publikum; man kann sich daran gewöhnen, die Filme auf der Couch zu schauen.

Aus dem Homeoffice direkt ins Heimkino – das mag praktisch klingen, lässt aber (ganz abgesehen von der großen Leinwand, auf der schon eine Träne eine andere Wirkung entfaltet als auf dem Laptop) einen entscheidenden Faktor außer Acht: die Gleichzeitigkeit von individuellem und gemeinschaftlichem Kunsterlebnis, die das kollektive Filmschauen ermöglicht. Wie im Theater fühlt und lacht man zusammen, hält miteinander den Atem an und tauscht sich schließlich über das Gesehene aus.

Es geht um Filme, aber auch um das Fest

Erst recht ist ein Filmfest ein solch geselliges Unterfangen, es geht um Filme, aber eben auch um das Fest: Regisseure und Schauspielerinnen stellen ihre Arbeit vor, es gibt Promis zu bestaunen, verblüffende, inspirierende, zum Nachdenken anregende filmische Entdeckungen zu machen. Ein Filmfest, wie es sich hier in Hamburg versteht, ist immer auch ein Fenster in die Welt.

Deshalb mag es einerseits nicht ungefährlich sein, dass das heute beginnende Hamburger Filmfest parallel (und notgedrungen, weil die Platzkapazitäten aufgrund der Abstandsregelungen eingeschränkt sind) zum „Streamfest“ wird und Kinokarten für zu Hause anbietet. Es ist natürlich andererseits dennoch richtig, auch weil die Kinos finanziell profitieren und den Filmen eine größere Öffentlichkeit geschenkt wird. Bleibt die Hoffnung, dass am Ende nicht der Film gewinnt – auf Kosten des Kinos.