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10,27 Sekunden: Ein Tor fürs Fußball-Museum

Kai Schiller ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Kai Schiller ist Chefreporter Sport beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Marcelo Hernandez

Die Dortmunder Rasselbande um Sancho (20), Haaland (21), Bellingham (17) und Reyna (17) macht sehr viel Lust auf mehr.

Hamburg. Das fing ja gut an… Bundesliga, Saisonstart. Die Vorfreude: groß. Die Erwartungshaltung: riesig. Und die Ernüchterung: monströs. Die 58. Spielzeit fing in etwa so an, wie die 57. aufgehört hatte: mit einer Bayern-Maschinerie, die alles und jeden unter sich zu begraben droht. Das 8:0 zum Auftakt gegen Schalke war beeindruckend und bedrückend zu gleich. Acht. Zu. Null. Das Pflänzchen Hoffnung, dass es nach acht Bayern-Meisterschaften in Folge so etwas Ähnliches wie Spannung geben könnte, wurde acht-los niedergetrampelt.

Doch wer Freitagabend nach dem ersten Spiel der neuen Saison schon keine Lust mehr auf die weiteren Partien hatte, der brauchte einen Abend später 10,27 Sekunden, um sich selbst eines Besseren zu belehren.

Erling Haaland – ein denkwürdiges Tor

Denn genauso lang brauchten die Dortmunder, um eine Ecke für Mit-Favorit Mönchengladbach zu klären, den Ball durch Jadon Sancho nach vorne zu treiben und ihn nach Erling Haalands Usain-Bolt-Gedächtnissprint zum 3:0 zu veredeln. Ein denkwürdiges Tor, das hinter Panzerglas im Deutschen Fußball-Museum (passenderweise in Dortmund) ausgestellt gehört.

Überhaupt: Die Dortmunder. Diese Rasselbande um Sancho (20), Haaland (21), Jude Bellingham (17) und Giovanni Reyna (17) macht sehr viel Lust auf mehr. Und natürlich darf man zumindest fragen, ob Bayerns 8:0 gegen Schalke, das an den HSV in schlimmsten Zeiten erinnerte, oder Dortmunds 3:0 gegen Top-Club Gladbach mehr zählte. Am Ende wird der FCB vermutlich wieder nicht zu stoppen sein. Doch eines steht seit Sonnabend fest: Kampflos wird der BVB diesmal nicht das Feld bestellen. In diesem Sinne: Gut, das es wieder los geht...