Meinung
Kommentar

Das Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ ist ein Segen

Der Autor ist Chefreporter der Lokalredaktion des Abendblatts.

Der Autor ist Chefreporter der Lokalredaktion des Abendblatts.

Foto: Monika Drews / HA

Die scheidende Chefredakteurin hat ein System aufgebaut, das nicht nur den Bedürftigen, sondern auch der Stadt hilft.

Hamburg. Sie sitzen und liegen oft dort, wo Hamburg am meisten glänzt – und sind trotzdem unsichtbar. Auf den Postkarten unserer Innenstadt ist kein Platz für Wohnungslose, genauso wenig in Restaurants oder überall sonst, wo das Geld regiert. Eher werden sie verdrängt, als dass man ihnen neue Zufluchtsorte schafft. Sie sind viele, nach Schätzungen mehr als 2000 Menschen. Haben sie alle bloß Pech gehabt, können nichts für ihr Schicksal? Bestimmt nicht. Haben Sie mehr Hilfe verdient, als sie meist bekommen? Genauso sicher.

An diesem „Tag der Wohnungslosen“ wird deshalb deutlich, wie wertvoll die Arbeit von „Hinz&Kunzt“ ist. Das Straßenmagazin ist ein für die Politik manchmal nervtötender, aber hochnotwendiger Anker für Menschen in schwerer See. In den vergangenen 25 Jahren hat die nun scheidende Chefredakteurin Birgit Müller ein System aufgebaut, das nicht nur den Bedürftigen, sondern auch der Stadt hilft. „Hinz&Kunzt“ bekommt keine Zuschüsse. Aber es macht Wohnungslose zu kleinen Unternehmern, als Verkäufer oder Stadtführer. Gibt ihnen gerade so viel Verantwortung, wie sie tragen können – und ist gleichzeitig etwa mit Bürgschaften für Wohnungen da, wenn sie doch wieder zu dicht an den Abgrund geraten.

Ohne das Magazin und viele andere Träger wären die Probleme der Betroffenen größer – aber auch die Konflikte an Orten wie dem Hauptbahnhof. Der Senat darf sich für die Hilfe dabei bedanken, und er muss aushalten, dass „Hinz&Kunzt“ sofort die Stimme erhebt, sobald auch nur der Hauch eines Missstands oder unmenschlicher Behandlung der Betroffenen in Sicht ist. Mit Annette Bruhns wird im neuen Jahr eine ausgezeichnete Journalistin diese Aufgabe als neue Chefredakteurin übernehmen. Als Hamburger kann man ihr nur Erfolg dabei wünschen.