Meinung
Leitartikel

Katja Sudings Rückzug: Wofür steht die FDP?

| Lesedauer: 4 Minuten
Stephan Steinlein
Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur des Abendblatts

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Foto: Mark Sandten / HA

FDP-Vorsitzende Katja Suding zieht sich aus der Politik zurück. Inhalte sind jetzt wichtiger als Personen.

Hamburg. Erinnern Sie sich noch an Rolf Salo? Vielmehr an das kurze politische Kapitel, für das der Unternehmer steht? Selbst absolute Kenner der Hamburger Politik müssen vermutlich eine Weile überlegen, bis sie wieder darauf kommen, wer der Mann war.

Dabei hat Rolf Salo eine Frau groß gemacht, von der seine Partei über Jahre massiv profitieren sollte. An den Kurzzeitvorsitzenden der Hamburger FDP, die er von 2009 bis 2012 führte, gibt es wenig bleibende Erinnerungen; an Katja Suding, die Frau, die Salo gegen Widerstände in der eigenen Partei zur Spitzenkandidatin gemacht hatte, eine ganze Menge. Erfolgreiche Wahlkämpferin, Bürgerschaftsabgeordnete, Landesvorsitzende, Bundestagsabgeordnete: In nicht einmal zehn Jahren hat Suding viel erreicht. Für die FDP – und für sich.

Ein Drittel der Delegierten konnte die politisch unbeschriebene Frau bei der Aufstellung der Landesliste zur Bürgerschaftswahl 2011 nicht überzeugen. Suding erhielt damals gerade einmal 67 Prozent der Stimmen – alles andere als ein klares Bekenntnis. Was folgte, war ein leidenschaftlicher, komplett auf die attraktive Politikerin zugeschnittener Wahlkampf. Suding im Ostfriesennerz, mit wehenden Haaren im Wind. Von der „Powerfrau“ war die Rede – oder vom „Wahlkampf-Model“.

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Das Motto verfing: KatJA. Nach sieben Jahren in der außerparlamentarischen Opposition, nach zwei enttäuschenden Bürgerschaftswahlen mit 2,8 und 4,8 Prozent, führte Suding die Hamburger FDP zurück auf die politische Bühne. 6,7 Prozent oder neun Mandate holte sie auf Anhieb nach dem arg personalisierten Wahlkampf gegen Olaf Scholz und Christoph Ahlhaus.

Suding gelang in der Folge, woran ihre Vorgänger seit den 1990er-Jahren gescheitert waren: Sie einte als Vorsitzende (ab 2014) die zerstrittene Partei und führte sie fortan unumstritten. Zwischen einem und drei Jahren hielten es die Landeschefs der FDP vor ihr aus, bevor der oder die nächste ran musste. Sichtbares Zeichen, dass Suding vieles wohl richtig machte: 2015 konnte die FDP ihr Ergebnis von 2011 noch einmal steigern – entgegen dem Bundestrend.

Fleißig und engagiert, so beschreiben politische Kommentatoren die Oppositionsarbeit der FDP in der Bürgerschaft in den beiden vergangenen Legislaturperioden. Genutzt hat es ihr nichts. Nach Sudings Wechsel in den Bundestag und dem Urnengang vom Februar ist die direkt gewählte Anna von Treuenfels-Frowein als Einzelkämpferin für die FDP in der Bürgerschaft, der Rest der Truppe gibt wieder die APO. Selbst von dem katastrophal schlechten Ergebnis der Hamburger CDU konnte die FDP als zweite bürgerliche Kraft nicht profitieren.

Die omnipräsente Katja Suding, rhetorisch begabt, den Menschen meist zugewandt, hat lange über ein zentrales Problem der Partei hinwegsehen lassen: eine inhaltliche Leichtigkeit.

Für welche Grundwerte steht die FDP eigentlich noch? Warum sollte man die Liberalen wählen? Was würde sich ändern, wenn sie und nicht die Grünen an der Seite der SPD die Hamburger Rathausregierung stellten? Das sind Fragen, auf die auch Sudings sehr engagierte, aber eher unauffällige Nachfolgerin Treuenfels-Frowein keine überzeugenden Antworten geben konnte im Winter-Wahlkampf.

Diese Antworten zu geben, bleibt für die Nach-Suding-Zeit die Hauptaufgabe. Ja, die FDP muss auch eine überzeugende Nachfolgerin oder einen überzeugenden Nachfolger finden. Aber viel entscheidender wird es sein, nachvollziehbar zu vermitteln, warum man diese Partei überhaupt wählen sollte. In Hamburg. Und im Bund.

Bevor auch das vergessen wird: Nicht jede auf Katja Suding zugeschnittene Kampagne war ein Erfolg. „Unser Mann für Hamburg“ war bestenfalls originell, „Drei Engel für Lindner“ absurd.

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