Meinung
Kommentar

Corona ist die Nagelprobe für Schwarz-Rot

Kerstin Münstermann, Politik-Korrespondentin

Kerstin Münstermann, Politik-Korrespondentin

Foto: Funke Medien Gruppe / Reto Klar

Corona-Pandemie und kein Ende – für die Große Koalition in Berlin eine spezielle Herausforderung.

Wie alles in diesem Corona-Jahr 2020 war auch die politische Sommerpause eine andere. Dennoch markiert der Koalitionsausschuss am gestrigen Dienstag den Startschuss in einen heißen Herbst. Zum einen sind die Regierungsparteien in ihrem Innern aufgewühlt. In der Union schwelt der ungeklärte Führungskonflikt nur noch äußerst knapp unter der Oberfläche.

Die SPD wiederum ist stolz auf sich, den in der Krise populären Bundesfinanzminister Olaf Scholz unfallfrei als Kanzlerkandidaten präsentiert zu haben. Doch manchem Sozialdemokraten wird es bereits bang bei der Vorstellung, dass man Partei, Programm und Kandidat über ein Jahr lang in Einklang bringen muss.

Corona hinterlässt Spuren in der Wirtschaft – und die Politik?

Bei der Union stöhnt man, dass der Regierungspartner nun jede Entscheidung bereits durch die Wahlkampfbrille betrachtet. Wobei man getrost davon ausgehen darf, dass eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes (eines der Hauptthemen des Treffens im Berliner Kanzleramt) auch im Sinne der Union ist. Verschiebt eine weitere zwölfmonatige Verlängerung doch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf das Jahr 2022 und somit zeitlich hinter die Bundestagswahl.

Die Pandemie hinterlässt ihre Spuren in Wirtschaft und Gesellschaft. Durch die medizinische Notfallsituation hat die Koalition das Land erfolgreich gesteuert, mit „Wumms“ hat man die erste wirtschaftliche Not gelindert, Staatshilfen bereitgestellt.

Doch die großen Herausforderungen, sie warten auf CDU, CSU und SPD. Wie geht das Land damit um, wenn es weiter keinen Impfstoff und kein Medikament gibt, draußen aber winterliche Temperaturen herrschen? Dann wird sich weisen, wie gut der Kitt der Großen Koalition noch ist. Es wäre wichtig, dass die schwarz-roten Koalitionäre parteipolitischer Taktik nur wenig Raum lassen. Denn noch immer hat Corona das Land voll im Griff. Ausgang ungewiss.