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Merkel, Matussek und Mopedfahren im Sauerland

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und "Cicero"-Chef Christoph Schwennicke.

Hamburg/Berlin. Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir sonnabends an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, nun hat Angela Merkel auch an einer Kabinettssitzung in Nordrhein-Westfalen teilgenommen und damit Armin Laschet die gleiche Ehre zuteil werden lassen wie Markus Söder. Sind seine Chancen aufs Kanzleramt wieder gestiegen?

Schwennicke: Laschet hat nach wie vor die besten Ausgangsvoraussetzungen. Ganz unabhängig vom huldvollen Doppelbesuch der Kanzlerkaiserin in zweier ihrer Pfalzen. Entscheidend ist, wo sie nicht war: Beim gemeinsamen Mopedfahren mit Friedrich Merz ins Sauerland ist sie nicht gesehen worden. Merz ist der einzige ernst zu nehmende Gegenkandidat beim Contest um den Parteivorsitz. Und wenn Laschet den hat, dann müsste viel passieren, um ihm die Kanzlerkandidatur streitig zu machen.

Haider: Anderes Thema: Du musst mir verraten, was hinter dem lustigen Titel des „Cicero“ mit den Männchen und der Überschrift „Jeder gegen jeden“ steckt.

Schwennicke: Es geht darum, dass jeder nur noch seine Meinung gelten lässt und andere Meinungen nicht mehr hören will beziehungsweise sie mundtot macht.

Haider: Gutes Thema, gerade in Zeiten von Corona. Darüber kann man sich ja sogar mit Leuten, mit denen man sich bisher gut verstanden hat, zerfleischen.

Schwennicke: Ja, das ist furchtbar. Dieses unerbittliche Entweder-oder. Und das kommt vor allem aus diesen bestialischen Netzwerken. Neulich hat Matthias Matussek bei Facebook auf einen Post von mir, in dem ich meinen Sinn für schlichten Humor offenbart habe, geschrieben: „Dafür lieben wir dich.“ (Mit Matthias hatte ich eine gemeinsame und sehr intensive Zeit in London). Daraufhin schrieb wiederum eine frühere Kollegin von der „Badischen Zeitung“, dass das ja interessant sei mitzubekommen, dass Matussek mich mag. Ja, Herrschaftszeiten! Muss ich mir das verbitten, nur weil ich in vielen Fragen ganz andere Ansichten habe als er? Nein, das muss ich nicht! Und ich muss auch nicht verhehlen, dass ich als Mensch Seiten an ihm sehe, die ich mag. Zum Beispiel seine Belesenheit, seinen Wortwitz, und ja: seine Freude am gemeinsamen Lachen.