Meinung
Gott und die Welt

Pausen sind wichtig – auch und gerade in Corona-Zeiten

Katharina Gralla, Pastorin im Gottesdienstinstitut der Nordkirche, rät dazu, etwas Gutes auch mal gut sein zu lassen.

Wie kann es eigentlich sein, dass sich so viele Menschen unglücklich, unzufrieden und erschöpft fühlen, obwohl sie vieles ziemlich gut hinbekommen? Ein Grund dafür ist der Siehe-es-war-sehr-gut-Pausen-Mangel. Den produziere ich bisweilen selbst: Ich nehme mir einfach keine Zeit, um mich zu freuen, wenn ich etwas Gutes gemacht habe. Egal ob im Job oder zu Hause. Habe ich zum Beispiel ein Projekt im Zeitplan gut hinbekommen oder ein neues Beet angelegt, das Fahrrad endlich repariert oder die Steuererklärung abgeschickt, sind das alles gute Gründe, mich zu freuen und auch ein bisschen stolz auf mich zu sein.

Geschafft! Das ist genau der Zeitpunkt, an dem ich eine Pause einlegen sollte, unbedingt. Nicht gleich weitermachen, nicht gleich zum Nächsten springen, sondern einmal tief durchatmen und kurz innehalten: Anschauen, was ich gemacht habe und mir sagen: „Das ist gut so. Das sieht prima aus. Das habe ich aber gut hinbekommen. Alle Achtung.“ Danach freut man sich eine kleine Weile, ruht sich ein bisschen aus, ist eine Weile vergnügt und faul – und dann erst schreitet man zur nächsten Tat.

Pausen – wirksames Mittel gegen Frust

Solche wertschätzenden Pausen machen glücklich, zufrieden und bringen neue Ideen und Tatkraft. Das ist ein uralter Trick, den schon Gott angewandt hat. So erzählen es jedenfalls die Autoren der Schöpfungserzählung. Gott schafft ja bekanntlich die Erde in sechs Tagen, keine Kleinigkeit, Himmel, Erde, Tag und Nacht, Meer und Land, Pflanzen und Tiere und am Ende den Menschen. An jedem Abend blickt Gott auf sein Tagewerk. „Und siehe, es war gut.“

Am sechsten Tag war alles sogar „sehr gut“. Am siebten Tag gönnte Gott sich einen ganzen freien Tag. Aus dem ist der Sabbat und unser Sonntag geworden. Ein Tag mit Zeit zum Ausruhen und Zurückblicken und zufrieden mit sich sein. Also: Siehe-es-war-sehr-gut-Pausen gibt es schon seit Ewigkeiten. Ein wirksames Mittel gegen Frust, Unglück und Müdigkeit. Gerade auch in anstrengenden Corona-Zeiten. Also, pflegen Sie diese alte Tradition. Jeden Tag. Weil es guttut. Bisweilen sogar sehr gut.

Katharina.gralla@gottesdienstinstitut.nordkirche.de