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Kommentar

Die Kultur lebt wieder: Beharrlichkeit macht’s möglich

Die Autorin leitet das Kultur-Ressort beim Hamburger Abendblatt.

Die Autorin leitet das Kultur-Ressort beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Mark Sandten / Funke Foto Services

Festivals? Fast alle abgesagt. Kampnagel aber traut sich. Der Einsatz der Verantwortlichen ist ein wichtiger Faktor.

Hamburg. „Systemrelevant“, wissen Sie noch? Dieser Begriff, der so eng mit der Corona-Zeit verknüpft war wie zunächst kaum ein anderer? Alle waren ja irgendwann systemrelevant oder wollten es wenigstens sein. Auch die Kultur, natürlich. Da verblüfft es zunächst, wenn der Kultursenator ausgerechnet zur Eröffnung des ersten großen Festivals unbeeindruckt verkündet: „Aus meiner Sicht ist sie es nicht.“

Ist natürlich ein Trick, diese Einschätzung. Kultur sei nämlich „viel mehr“, findet Carsten Brosda, man solle das mal „nicht auf Systemrelevanz verkürzen“. Was Musik, Tanz oder Theater sein können, wie es sich anfühlt, wenn man sich dem wieder aussetzt, was daraus für Herz, Kopf und Bauch folgen kann – all das ist jetzt wieder denk- und spürbar. Nach den entscheidenden Vorwehen am Schmidts Tivoli und am Ohnsorg-Theater, deren Intendanten sich als Erste getraut haben, wieder Publikum zu empfangen, ist das Internationale Sommerfestival nun die nächste Bewährungsprobe – unter günstigen Vorzeichen: Das Wetter, ein weitläufiges Außengelände und große Hallen machen auf Kampnagel vieles möglich, was anderswo schwieriger wäre.

Aber es ist vor allem der Beharrlichkeit der Verantwortlichen zu verdanken, dass ein Kulturleben wieder möglich wird. Das Festival sei „ein Vorschlag, wie Theater unter pandemischen Voraussetzungen stattfinden“ könne, erklärte der künstlerische Leiter András Siebold, der sich seinen Mut und Optimismus nicht hat ausreden lassen. Der seine explizit als „Gegenwartsfestival“ gedachte Veranstaltungsreihe kontinuierlich auch wechselnden Gegenwartsentwürfen anpasste. Dafür, dass alles glatt läuft, alles sicher bleibt, sorgt ein umfangreiches Konzept – am Ende, wie sonst auch in der Gesellschaft, kommt es eben doch auf den Einzelnen an.

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