Meinung
Kommentar

Bidens beste Wahl: Harris könnte Geschichte schreiben

US-Korrespondent Dirk Hautkapp.

US-Korrespondent Dirk Hautkapp.

Foto: Privat

Joe Biden hat mit Kamala Harris einen potenziell historischen Vorratsbeschluss für Amerikas Demokratie getroffen.

Geschichte zu schreiben und auf Nummer sicher zu gehen – das gelingt nicht jedem. Joe Biden hat es mit der Personalie Kamala Harris geschafft. Der Demokrat, der Amerika im November vom Trump-Albtraum erlösen will, hat nicht nur der ersten schwarzen und durch ihre indisch-jamaikanischen Wurzeln auch multikulturell ausstrahlenden Politikerin in der Geschichte der USA den Weg zum zweithöchsten Staatsamt vorgezeichnet. Viel entscheidender: Mit Harris, die ideologisch wie Biden in der moderaten Mitte verortet ist, hat der 77-Jährige einen weitsichtigen, potenziell historischen Vorratsbeschluss für Amerikas Demokratie getroffen, der seinen Charme erst noch entfalten wird.

Träte er nach einem Sieg in vier Jahren aus Altersgründen ab, wäre die 55-Jährige, die populär, talentiert und durchsetzungsstark ist, im Falle einer soliden Leistungsbilanz 2024 erste Anwärterin der Demokraten auf den Spitzenjob. Im Erfolgsfall bekäme Amerika also die erste schwarze Präsidentin. Einen zukunftsträchtigeren Anreiz für ein Land, das entlang der ungelösten Rassenfrage wieder einmal zu zerbrechen droht, konnte Biden kaum setzen.

Mit Kamala Harris hat er sich nicht nur ein ihm in mancher Hinsicht überlegenes, charismatisches Kraftpaket an die Seite geholt, das seine Schwächen ausgleichen kann, ohne ihn in den Schatten zu stellen. Harris könnte qua Erfahrung auch sofort in die Führungsrolle gehen, falls Gesundheit oder Schicksal Biden einen Strich durch die Rechnung machen sollten. Amtsinhaber Trump hat allen Grund, die schlagfertige Ex-Staatsanwältin zu fürchten. Sie hat schon früher mit altväterlichen Dampfplauderern kurzen Prozess gemacht. Mit dem Duo Biden/Harris hat Amerika eine substanzielle Alternative zur unzeitgemäßen Männerwirtschaft Trump/Pence.