Meinung
Leserbrief der Woche

Hamburgs strategischer Wissenschaftskonsens

Dr. Dr. h. c. Jürgen Lüthje ist ehemaliger Präsident der Universität Hamburg.

Dr. Dr. h. c. Jürgen Lüthje ist ehemaliger Präsident der Universität Hamburg.

Foto: Roland Magunia / HA

1./2. August: Hamburger KRITiken: Warum sich Hamburg neu erfinden muss. Der Wirtschaftsstandort steht wegen Corona vor schweren Zeiten – gerade deshalb sind neue Ideen und Visionen bitter nötig.

Matthias Iken mahnt mit interessanten, sehr ernst zu nehmenden Argumenten für Hamburg „Strategien, die über den Tag hinausdauern“ an und kritisiert „die spitzwegsche Gemütlichkeit in der Hansestadt“. Er fragt, welche Cluster die Stadt für sich besetzen und wie die Me­tropolregion zur Wachstumsregion werden will.

Eine durchaus überzeugende Antwort auf diese Fragen kann Iken in dem Abschnitt des aktuellen Koalitionsvertrages finden, der sich mit der künftigen Wissenschaftspolitik der Stadt befasst. Dieser formuliert langfristig tragfähige wissenschaftspolitische Ziele, die den erstmals seit den drastischen Haushaltskürzungen zwischen 1995 und 2006 berechtigten Ausstattungserwartungen der Hochschulen Rechnung tragen.

Die Vereinbarung verzichtet auf polarisierende Profilierung und kann darum auch in anderen Parteien, in wissenschaftsfördernden Organisationen und in allen wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt auf Zustimmung stoßen. Damit bietet der Koalitionsvertrag einen langfristig für alle Beteiligten interessanten strategischen Wissenschaftskonsens an, der Hamburg als Wissenschaftsme­tropole im Norden weiter stärken wird.

Exzellenzförderung sichert erhebliche Bundesmittel für die Forschung

Mit ihrem Erfolg in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder hat die Universität Hamburg dafür hervorragende Bedingungen geschaffen. Die von der Universität in hartem Wettbewerb erworbene Exzellenzförderung sichert mittelfristig erhebliche Bundesmittel für die Forschung. Die Hochschulpakte zwischen Bund und Ländern garantieren zudem eine wichtige Bundesfinanzierung auch für die Lehre an den Hochschulen.

Das für den Hochschulbereich im Koalitionsvertrag langfristig vorgesehene bauliche Investitionsprogramm von 2,6 Milliarden Euro und der mittelfristig kumulierte Budgetzuwachs von 750 Millionen Euro ermöglichen in den nächsten Jahren Zukunftsverträge zwischen Staat und Hochschulen, die den strategischen Zielen der Vereinbarung eine realistische Grundlage garantieren.

Evolutioneum bereicht das Profil des Wissenschaftsstandorts Hamburg

Mit der geplanten Entwicklung der Science City Bahrenfeld, dem angestrebten Ausbau der Technischen Universität Hamburg, der Stärkung der angewandten Forschung an der HAW, dem Ausbau des UKE sowie der Entwicklung eines weiteren Exzellenzclusters in der Infektionsforschung konkretisiert die Koalition ihre wissenschaftspolitischen Ziele in überzeugender Weise.

Der Plan, nach der erfolgreich beantragten Aufnahme naturwissenschaftlicher Sammlungen in die Leibniz-Gemeinschaft mit deren Förderung ein Evolutioneum als Nachfolgeeinrichtung des im Krieg zerstörten Naturkundemuseums zu gründen, bereichert das Profil des Wissenschaftsstandorts Hamburg.

Das Gleiche gilt für den Antrag, die international ausstrahlende Friedens- und Konfliktforschung Hamburgs in die Leibniz-Gemeinschaft aufzunehmen. Diese Vorhaben bieten auch den wissenschaftsfördernden Stiftungen und mäzenatisch engagierten Persönlichkeiten in Hamburg attraktive Möglichkeiten der Unterstützung.

Insgesamt entspricht die Koalitionsvereinbarung der schon länger von der Patriotischen Gesellschaft vorgetragenen Forderung, einen partei- und institutionsübergreifenden Hamburger Wissenschaftskonsens zu entwickeln, die kürzlich auch durch ein von der Wissenschaftlichen Akademie vorgelegtes Gutachten bekräftigt wurde.

Dr. Dr. h. c. Jürgen Lüthje, ehemaliger Präsident der Universität Hamburg