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Zwischen Hamburg und Berlin

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und "Cicero".

Hamburg/Berlin. Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend hier veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, je länger die Pandemie geht, desto mehr werde ich ein Fan von Jens Spahn. Ich hätte nie gedacht, dass der in einer solchen Krise so souverän sein kann – aus meiner Sicht ist er der mit Abstand beste Politiker, den die Union im Moment hat. Er hat viel mehr Substanz als Markus Söder.

Schwennicke: Beim letzten Punkt frage ich mich, wovon du das ableitest. Ansonsten stimme ich dir, abzüglich der liebenswerten haiderschen Euphorie, zu. Der macht eine gute Figur. Zwei Abzüge in der B-Note bleiben aber: das Maskendesaster vom Anfang und der App-Flop.

Haider: Söder überzeugt mich nicht, viele Ankündigungen, aber Ergebnisse anderer Ministerpräsidenten in der Corona-Krise sind deutlich besser. Die machen nur nicht so viel Wirbel darum. Anderes Thema: Was steckt hinter der Ankündigung von Kevin Kühnert, den Vorsitz der Jusos abzugeben und für den Bundestag zu kandidieren? Wird er der nächste Fraktionsvorsitzende der SPD?

Schwennicke: Das glaube ich erst, wenn es so weit ist. Die SPD muss im Moment vor allem aufpassen, dass eine Bundestagsfraktion zustande kommt 2021.

Haider: Na, auf mehr als fünf Prozent werden sie noch kommen, oder??

Schwennicke: Okay, das war polemisch. Aber wo wir bei der SPD sind: Dein Bürgermeister sticht zunehmend heraus in der Sozialdemokratie, finde ich. Das liegt einerseits am insgesamt traurigen Personal, aber auch an ihm.

Haider: Den meinte ich unter anderem, als ich von Ministerpräsidenten sprach, die regieren, und nicht vor allem darüber sprechen, dass sie regieren. Was gefällt dir an Peter Tschentscher?

Schwennicke: Er macht auf mich einen besonnenen Eindruck. Unprätentiös, sachlich, stilsicher und souverän.

Haider:Ich sage ja: Das Gegenteil von Söder. Aber auch er dürfte in der SPD keine weiteren Aufstiegschancen haben.

Schwennicke: Warum nicht?

Haider: Nicht links genug, Scholz zu ähnlich, mit Scholz befreundet, zu erfolgreich, zu beliebt bei seinen Wählern.

Schwennicke: Nach der Bundestagswahl wird es eine Inventur geben in der SPD. Und da können dann genau solche Leute gefragt sein. Dieser aktuelle Kurs führt doch absehbar ins Verderben.