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Autofrei! Die Rettung des Jungfernstiegs

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Andreas Dey
Andreas Dey ist Redakteur im Ressort Landespolitik.

Andreas Dey ist Redakteur im Ressort Landespolitik.

Foto: Thorsten Ahlf / HA

Weniger Verkehr bedeutet mehr Aufenthaltsqualität – und das sehen auch die Hamburger so. Der Senat entscheidet richtig.

Hamburg. Einige hochpreisige Geschäfte, ein breiter Fußweg, eine Wurstbude, daneben eine mehrspurige Straße – was mag das sein? Genau: der Jungfernstieg. Seien wir ehrlich: Die Attraktivität dieses von uns Hamburgern gern gepriesenen „Boulevards“ speist sich vor allem aus seiner Lage am Wasser und den ansehnlichen Fassaden. Doch dazwischen ist die Aufenthaltsqualität ziemlich mau – wer mag schon verweilen, wo permanent der Verkehr lärmt und stinkt und abends auch noch die PS-Protzer röhrend ihre Runden drehen?

Dass SPD und Grüne den Individualverkehr jetzt aussperren, ist daher überfällig, zumal er dort überflüssig ist. Unter dem Jungfernstieg liegt Hamburgs zweitgrößter U- und S-Bahn-Knoten, oben fahren weiterhin die Busse, und wer will, kann sich ja auch künftig mit dem Taxi an die Alster chauffieren lassen.

Jungfernstieg: Hamburger wollen autofreie City

Natürlich wird es wieder einen Aufschrei derer geben, die den Untergang der Innenstadt beschwören, weil sie ihr Fahrzeug nicht mehr direkt vorm Geschäft parken dürfen. Dabei ist das Gegenteil richtig: Je weniger Verkehr, desto attraktiver ist eine Innenstadt – jedenfalls für die, die gerade nicht im Auto sitzen, und das ist immer die Mehrheit.

Im Übrigen haben die Hamburger über das Thema kürzlich abgestimmt: SPD und Grüne haben im von Verkehrsthemen geprägten Wahlkampf nie verhehlt, dass sie eine autoarme Innenstadt anstreben – und sie haben zusammen zwei Drittel der Stimmen erhalten. Die Wähler dürfen daher erwarten, dass den Worten Taten folgen.

Diese sind auch an der Mönckebergstraße, im Rathaus-, Nikolai- oder Kontorhausviertel nötig. Der Problemmix aus zu viel Verkehr und zu wenig Aufenthaltsqualität prägt die Hamburger City schon zu lange – es wird Zeit, dass das Problem angepackt wird.

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