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Quartiersbusse für Hamburg: Wo fahren sie denn?

Elisabeth Jessen
Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Foto: HA / Andreas Laible

Viele Fragen sind noch offen – dabei gäbe es schon eine Lösung.

Die Idee der sogenannten Quartiersbusse klingt berückend: Ein kleines Fahrzeug der Hochbahn holt den Fahrgast quasi vor seiner Haustür ab und bringt ihn zur nächsten U- oder S-Bahn. Die elektrobetriebenen „Midi-Busse“ sollen vor allem dort fahren, wo heute noch kein anderes öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht. Mit dem vom Senat geplanten Hamburg-Takt sollen bis 2030 alle Hamburger innerhalb von fünf Minuten Zugang zu einem öffentlichen Verkehrsangebot haben. Dafür sind 600 neue Haltestellen geplant, wie Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) ankündigte.

Leider ist noch sehr vieles im Unklaren, und weder der Senator noch der Hochbahn-Chef gingen bei der Präsentation des in der Türkei gefertigten Midi-Modells ins Detail. Denn die spannendste Frage ist ja, welche Linien in welchen Vierteln die Hochbahn für den Einsatz der Quartiersbusse entwickeln wird. Finkenwerder und Langenhorn wurden als mögliche erste Einsatzgebiete genannt. Das ist sicher gut so, aber mir würden auf Anhieb gleich Dutzende weitere Ecken in Hamburger Stadtteilen einfallen, die schlecht angebunden sind. In Niendorf war die Verzweiflung jüngst so groß, dass Ehrenamtler seit einigen Monaten einen Bürgerbus organisieren, weil vor allem alte Menschen in Flughafennähe völlig vom Nahverkehr abgeschnitten sind.

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Quartiersbusse für Hamburg: kleine Fahrzeuge, große Wirkung?

Beim Quartiersbus ist vor Ende 2022 nicht mit einem standardmäßigen Einsatz zu rechnen, heißt es. Warum behilft man sich also nicht – wie schon in der Hochphase der Pandemie – mit einem System, das bereits erfolgreich eingeführt ist? HVV-Kunden konnten das Angebot in der Nacht sogar ohne Aufpreis nutzen.

Es heißt Moia und holt den Fahrgast fast an der Haustür ab.

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