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Das Los der Pflegeheime in Corona-Zeiten

Peter Wenig
Peter Wenig ist Autor des Abendblatts.

Peter Wenig ist Autor des Abendblatts.

Foto: Andreas Laible / HA

Die Pandemie stellt die Betreiber vor immense Herausforderungen. Der Grat zwischen Lockerung und wachsendem Risiko ist schmal.

Hamburg. Wer in diesen Wochen mit Entscheidern in Pflegeeinrichtungen spricht, hört oft diesen Satz: „Noch nie war unser Job so schwierig.“ Nun stellt die Pandemie alle Branchen vor Herausforderungen. Aber wohl nirgendwo ist der Grat zwischen ersehnter Lockerung und wachsendem Risiko so schmal.

In einem Heim in Wolfsburg starben im März und April mindestens 43 Bewohner im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Wer im Pflegeheim lebt, gehört immer zur Risikogruppe, entsprechend rigide wurden im März die Besuchsregeln verschärft. Doch gerade Pflegebedürftige brauchen den Kontakt zu ihren Angehörigen, soziale Isolation wirkt auf sie besonders fatal.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich nun die Heimleitungen. Es gibt Angehörige, die mit Klagen drohen, wenn die Regeln nicht ausgeweitet werden. Und es gibt Angehörige, die aus Sorge um die Mutter, um den Vater Besuche im Heim weiter strikt untersagen möchten. Zudem muss jeder Betreiber seine Pflegekräfte schützen: Wer alte Menschen wäscht, ihnen das Essen reicht, kommt ihnen automatisch nah. Pflege kann nicht nach den klassischen Abstandsregeln funktionieren. Umso wichtiger ist es, alles dafür zu tun, dass die Menschen, die diese auch ohne Pandemie so anspruchsvolle Arbeit machen, vor dem Virus bewahrt werden.

Was die Heime in Zeiten von Corona nicht brauchen, ist Besserwisserei. Wenn ein Betreiber auf Besuche im Außenbereich statt im Heim setzt, gibt es dafür gute Gründe. Dennoch Besuche im Zimmer einzufordern sorgt nur auf allen Seiten für Stress. Vor allem aber muss gelten: Wer an Symptomen leidet, die bei Covid-19-Erkrankungen auftreten, darf nicht kommen. Alles andere ist verantwortungslos – gegenüber Bewohnern wie Pflegekräften.

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