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Gehaltsobergrenzen für Fußballprofis?

Dominik Loth arbeitet als Redakteur für die „WAZ“ in Essen.

Dominik Loth arbeitet als Redakteur für die „WAZ“ in Essen.

Foto: Ulrich von Born

Eine gemeinsame Lösung wie im US-Sport ist weit weg – die 36 Clubs der Ersten und Zweiten Bundesliga sind selbst gefordert.

Die Kritik kam zuletzt selbst von denen, die profitieren. „Ich bin damit nicht einverstanden, aber es ist die Welt, in der wir leben“, kommentierte Fußballikone Cristiano Ronaldo vergangenen Sommer die absurd hohen Transfersummen im Profifußball. 222 Millionen Euro für den Wechsel des Brasilianers Neymar zu Paris Saint-Germain, 145 Millionen Euro für den Franzosen Kylian Mbappé. „Solche Summen sind nicht mehr normal und stehen auch in keiner Relation zu dem, was wir leisten“, kritisierte der ehemalige HSV-Keeper René Adler.

Die Corona-Krise hat die Diskussionen um Gehaltsobergrenzen für Fußballprofis neu entfacht. Allein schon deshalb, weil in der Branche weit weniger Geld verfügbar ist als vor dem Ausbruch der Pandemie. 40 Millionen Euro weniger wird zum Beispiel Champions-League-Teilnehmer Borussia Mönchengladbach Ende 2020 zur Verfügung haben. Weshalb von Sportchef Max Eberl dieser Tage immer wieder Denkanstöße zu vernehmen sind: Ein „Cash Fonds“ könne Not leidende Clubs absichern, eine minimierte Kadergröße die Kostenseite entlasten.

Eberl ist nicht der Einzige, der Konsequenzen aus der Corona-Krise im deutschen Fußball ziehen möchte. Oft wurde darüber diskutiert, dass die Wachstumsblase irgendwann platzen könnte. Nun haben die Verbände DFB und DFL Reformpläne angekündigt, die von den Fans mit wachsamen Augen verfolgt werden. Der Themenplan „Fußball nach Corona“ ist lang: gerechtere Verteilung der TV-Gelder, stärkerer Fokus auf gesundes Wirtschaften der Clubs und, nicht zuletzt: Absenkung der exorbitant hohen Gehälter der Profis. Wobei eine Lösung derzeit von nahezu jedem Funktionär aufgegriffen wird: die aus dem US-Sport bekannte Gehaltsobergrenze („Salary Cap“).

Auch DFB-Präsident Fritz Keller befürwortet eine Kehrtwende. „Provisionen für Spielerberater und immense Transfersummen irritieren die Gesellschaft und entfremden sie von unserem Sport“, sagte er. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sicherte ihm seine Unterstützung zu. Und auch DFL-Chef Christian Seifert will das Thema angehen. „Wenn es möglich ist, Managergehälter zu deckeln, dann muss es auch möglich sein, Gehälter von Beratern und Spielern zu deckeln“, sagte er der „FAZ“.

Der Bundestag hatte Ende 2019 eine Gehaltsobergrenze für Manager beschlossen. Börsennotierte Unternehmen müssen den Verdienst der Spitzenmanager künftig begrenzen. Aber geht das auch im Fußball? Rummenigge vertritt zwar im Grundsatz Kellers Linie, doch er hat schon darauf hingewiesen, dass eine solche Gehaltsobergrenze nicht mit geltendem EU-Recht vereinbar sei.

Dieses Problem sieht auch der auf Sportrecht spezialisierte Anwalt Martin Schimke. Mit einer Gehaltsobergrenze würden mehrere europäische Grundrechte eingeschränkt: Es käme zu Beschneidungen der Vertragsfreiheit, der Berufs- bzw. Arbeitnehmerfreiheit und des freien Wettbewerbs. Heißt: In der Praxis sei eine Gehaltsobergrenze zwar einführbar – beispielsweise durch die DFL oder die Uefa. Doch vor Gerichten sei sie kaum haltbar. „Allein schon weil der Fußball ein internationaler Markt ist und der Wettbewerb dadurch erheblich beeinträchtigt würde“, sagt Schimke. Die Diskussion über Gehaltsobergrenzen – mehr Wunsch als Realität?

Eine weitere Option allerdings gäbe es: den Tarifvertrag. In ihm könnten Gehaltsgrenzen festgeschrieben werden, nach oben oder nach unten. Die Spielergewerkschaft VdV (Vereinigung der Vertragsfußballspieler) setzt sich seit Langem dafür ein. „Eine für die Clubs verbindliche Salary-Cap-Lösung ließe sich gegenwärtig nur auf tarifvertraglicher Grundlage umsetzen“, sagt VdV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Allerdings: Für den Tarifvertrag braucht es eine starke und sozialmächtige Spielergewerkschaft. Und eine Antwort auf die Frage: Wer ist der Vertreter auf Arbeitgeber-Seite? Die DFL scheidet aus, weil für die Clubs die Mitgliedschaft verpflichtend ist. Freiwilligkeit wäre die Voraussetzung für einen Arbeitgeberverband.

Momentan scheint es deshalb nur eine Lösung zu geben: Die Clubs verordnen sich selbst eine Gehaltsobergrenze. Schalke hat es vorgemacht und die Gehälter auf angeblich 2,5 Millionen Euro gedeckelt. Immerhin ein Anfang.