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Zwischen Hamburg und Berlin

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und "Cicero".

Hamburg/Berlin. Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend hier veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, die neue Aktion von Markus Söder ist durchsichtig: Kostenlose Corona-Tests für alle in Bayern bietet er nur an, um sein Image als Macher zu betonen.

Schwennicke: Kann sein. Hier in Berlin kann man trotzdem neidisch werden. Gestern habe ich mit einem Kollegen telefoniert, dessen Sohn in Quarantäne musste, weil Corona in der Kita ist. Nicht einmal die Familie wurde getestet. Das kriegen die hier nicht gebacken. Eine andere Kollegin hat einmal sieben Tage auf das Ergebnis gewartet. Das läuft schon anders da unten im Süden.

Haider: Aber man muss sagen, dass Söders möglicher Konkurrent um die Kanzlerkandidatur, Armin Laschet, den riesigen Ausbruch bei Tönnies sehr gut gemanagt und eine Ausbreitung verhindert hat. Das gibt fette Pluspunkte, oder?

Schwennicke: Also, die Einschätzung hast du ziemlich exklusiv. Die Leute, mit denen ich rede in der CDU, sehen eher Laschet schon in der jetzigen Lage am Limit, während Söder erst richtig auf Betriebstemperatur kommt. Dass der Außenseiter im Rennen um den CDU-Vorsitz jetzt sagt: Wer mich wählt, der bekommt Söder als Kanzlerkandidaten, hängt mit dem Stirnrunzeln zusammen, dass es in der Union über Laschet gibt.

Haider: Ja, das war schon eine Ansage von Norbert Röttgen. Also geht es bei der Wahl des CDU-Vorsitzenden gar nicht mehr um die Kanzlerkandidatur, sondern um den Parteivorsitz?

Schwennicke: Das kann man nicht trennen. Ich komme inzwischen dahin, dass Annegret Kramp-Karrenbauer recht hatte, als sie seinerzeit sagte, erst müsse die Kanzlerkandidatur geklärt sein, dann der Vorsitzende gewählt werden.

Haider: Das stimmt wohl. Aber gefühlt ist das ja jetzt geklärt, oder? Markus Söder hat alle Vorteile auf seiner Seite, oder kann die wirtschaftliche Entwicklung doch noch Friedrich Merz nutzen?

Schwennicke: Die Sache ist völlig offen. Am Ende weiß man nicht mal, ob Söder nur die vielen Blumen einsammelt, um in Bayern für die nächste Landtagswahl noch besser dazustehen.

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