Meinung
Kolumne

Fleischeslust: Massentierhaltung und was wir tun können

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero / HA

Lars Haider im Gespräch mit Christoph Schwennicke. Ein E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“.

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, wollen wir heute mal über ein wirklich heikles Thema sprechen? Also über die Deutschen und ihr Verhältnis zum Fleisch? Oder sind wir, du als leidenschaftlicher Angler und ich als Vegetarier seit 30 Jahren, dafür die falschen Diskutanten?

Schwennicke: Nee, das ist schon ein Thema für mich. Ich esse gerne Fleisch, schlimmer noch: Wurst auch. Aber die vergangenen Tage und Wochen haben mich nicht unberührt gelassen.

Haider: Solche Reaktionen erfahre ich jetzt viele. Aber wenn man die Menschen fragt, ob sie angesichts der unerträg­lichen Bedingungen, unter denen zum Beispiel bei Tönnies gearbeitet wird, ob sie angesichts der Massentierhaltung mit ihrem ganzen Antibiotika-Wahnsinn oder ob sie angesichts der Auswirkungen auf den Klimawandel künftig weniger Fleisch essen wollen, wird es still. Und die Antwort ist fast immer dieselbe: „Aber es schmeckt mir so gut ...“

Schwennicke: Bei meiner Frau und mir ist das ein alter Streit. Ich habe oft das angeschleppt, was ihr Billigfleisch nennen würdet. Beim Metzger ihrer Wahl stockte mir dafür immer der Atem. Trotzdem hab ich mich jetzt dafür entschieden, wenn, dann bei diesem Metzger einzukaufen, bei dem die Kühe vermutlich über Monate liebevoll ins Jenseits gestreichelt werden, anders ist der Preis nicht zu erklären. Fazit: weniger Fleisch, wenn, dann kein Billigfleisch, sondern sündhaft teures Fleisch, und Wild. Viel Wild. Rehe pupsen und rülpsen nicht. Also kein Methan, und sie stehen in Mengen im Wald und auf den Fluren herum.

Haider: Die Zustände in der fleischverarbeitenden Industrie sind ja lange bekannt. Meinst du, dagegen wird jetzt politisch etwas unternommen?

Schwennicke: Es ist immer sinnvoll, sich gut zu überlegen, in einen freien Markt von Angebot und Nachfrage einzugreifen. Aber wenn, wie in diesem Fall, Mensch und Tier nachweislich furchtbar leiden, ist ein regulierender Eingriff nötig. Und dann werden Fleisch und Wurst eben teurer.