Meinung
Glosse

Die Mexikaner vermissen Corona

Vanessa Seifert

Vanessa Seifert

Foto: Andreas Laible

Es kommt einfach nichts mehr nach – jetzt ist die Stimmung im Land wie Flasche leer.

Hamburg. Eines der ersten Länder der Welt ist fast coronafrei. Was nach einer sensationell guten Nachricht klingt, ist für Millionen Biertrinker der blanke Horror. Denn Mexiko geht der Gerstensaft aus – und insbesondere die Vorräte der beliebten Marke Corona gehen zur Neige. In den Supermärkten spielen sich folglich Szenen ab, die wir Deutschen nur von der Jagd nach Klopapier kennen. Da werden pro Haushalt so viele Kisten rausgeschleppt, als plane man für den Abend eine gigantische Corona-Party. Prost!

Und die Preise sind durch die Verknappung auch schon gestiegen, ist laut mexikanischem Brauereiverband doch tatsächlich nur noch das übrig, was vor dem 6. April gebraut wurde. Danach hatte die Regierung die Produktion einstellen lassen, die Industrie sei nicht systemrelevant. Wie bitte? Die müssen betrunken gewesen sein, ist doch Alkohol (in Maßen) weltweit die private Therapie Nummer eins gegen die Pandemie. Angesichts der steigenden Verkaufszahlen ist auch die Stimmung in der mexikanischen Wirtschaft – das Land ist der viertgrößte Produzent und der größte Bier­exporteur der Welt – wie Flasche leer.

Zehn Tage, so die Schätzungen, reichen die Vorräte noch. Viele Mexikaner drücken ihre Verzweiflung darüber mit Humor aus. Beliebt auf Twitter ist beispielsweise das Bild eines Mannes, der im Gefrierschrank eines Supermarktes hockt und folgende Nachricht hinterlassen hat: „Taut mich erst auf, wenn es wieder Bier gibt!“ Gute Idee. Denn dann ist Mexiko – und hoffentlich die ganze Welt – vielleicht wirklich Corona-frei.