Meinung
Kommentar

Spielt mal mehr Musik aus Hamburg

| Lesedauer: 2 Minuten
Tino Lange
Tino Lange ist Kulturredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Tino Lange ist Kulturredakteur beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Klaus Bodig / HA

Die Radiosender können der Hamburger Popszene helfen, die gerade unter der Coronakrise leidet. Ein Kommentar.

Hamburg. „Sie spielen überall dasselbe, Falcos neue LP, ich hör Madonna und Chris de Burgh, nur Die Ärzte hör ich nie“, sangen Die Ärzte bereits 1987 in „Radio brennt“, einer Abrechnung mit der damaligen Hörfunklandschaft. Und auch wenn die drei Spaßpunker später öfter im Radio zu hören waren, sind besonders die Hamburger Radio-Programme immer wieder Ziel der Kritik geblieben: wenig Vielfalt, ewig gleiche Rotationen, kaum redaktionelle Inhalte.

Tatsächlich findet man bei allen privaten und öffentlich-rechtlichen Stationen mehr Abwechslung, als mancher vermuten mag. Trotzdem dreht sich natürlich alles um Quoten und damit um Hits.

Die Marktmacht, die das Radio auch in Zeiten von wachsenden Musik-Streaming-Angeboten hat, kann in Coronazeiten besonders sinnvoll genutzt werden, um kleineren und lokalen Bands, Sängerinnen und Songschreibern unter die Arme zu greifen, wie von Initiativen wie „Airplay for Artists“ und Künstlern wie Michy Reincke vorgeschlagen.

Lokale Musik: Radiosender können nur gewinnen

Indem man in den Nachtstunden zum Beispiel weniger Dua Lipa, Robin Schulz und Alicia Keys spielt und dafür mehr Musik aus Hamburg und Norddeutschland. Das führt nicht nur zu einem Werbeeffekt, sondern auch zu Einnahmen durch Tantiemen, die durch die Rechteverwerter GEMA und GVL an Komponisten, Texter und Verlage verteilt werden – je nach Reichweite und vielen weiteren Faktoren zwischen 1,50 Euro und 75 Euro pro abgespieltem Lied.

Das ist das Kleingeld, auf das Dua Lipa, Alicia Keys, Madonna, Chris de Burgh und sogar Die Ärzte eine Zeit lang sicher verzichten könnten, das aber nicht so berühmten Namen einen Tag lang den Kühlschrank füllen mag. Mehr regionale Musik zu präsentieren kann helfen – und ganz nebenbei auch für noch mehr Vielfalt in den Radioprogrammen sorgen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung