Meinung
Kommentar

Tourismus: "Jamaika" gefährdet den Norden

Matthias Popien
Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Foto: Birgit Schücking

Streit um Zweitwohnungen und andere Beschränkungen für Urlauber: Wer Touristen vertreibt, gefährdet Schleswig-Holstein.

Er habe das Sommergeschäft „auf jeden Fall nicht abgeschrieben“, hat Schleswig-Holsteins junger Minister­präsident Daniel Günther (CDU) am Sonntag gesagt. Er vielleicht nicht – aber die Touristen wohl schon. Seit Wochen macht die Landesregierung so ziemlich alles, um Besucher abzuschrecken. Grenzkontrollen, Reiseverbote, Nutzungsverbote: Schleswig-Holstein benimmt sich, als wolle man für sehr lange Zeit unter seinesgleichen bleiben. Ein Wunsch, der durchaus in Erfüllung gehen könnte. Denn warum sollte man in einem Land Urlaub machen, das keine Urlauber will?

Klug ist das alles natürlich nicht. Die Jamaika-Koalition verspielt gerade aus übertriebener Coronafurcht die wirtschaftliche und damit auch finanzielle Basis ihres bisherigen Erfolgs. Die Früchte jahrelanger Imagekampagnen – sie sind zerstört. Der Boom der Tourismusbranche mit immer neuen Übernachtungsrekorden – er ist vorbei. Hotels und Restaurants stehen vor dem Aus, ein Anstieg der Arbeitslosigkeit droht, die Gewerbesteuereinnahmen der Bäderorte an Nord- und Ostsee werden dramatisch schrumpfen. Auch die Windenergie hilft da nicht weiter – seit Jahren stoppt der Zubau.

Und was macht der Ministerpräsident dieses mit Wind und Wellen gesegneten Landes? Er stellt einen Tourismus-Stufenplan auf, dessen Umsetzung vollkommen offen ist. Er zerstreitet sich mit den Landräten. Er verwirrt mit unklaren Regeln für Großveranstaltungen, die wieder möglich sein sollen, plädiert für eine Verschiebung der Sommerferien­, die von seiner Bildungsministerin wieder einkassiert wird.

In Schleswig-Holstein läuft gerade ganz schön viel schief. „Jamaika“ ist ins Trudeln geraten. An Corona liegt das ausnahmsweise nicht.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung