Meinung
Leitartikel

Coronakrise: Hilfen nicht ausnutzen!

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort beim Abendblatt.

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort beim Abendblatt.

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Unternehmen bekommen unbürokratisch Geld vom Staat. Jetzt ist Ehrlichkeit gefragt.

Es ist das größte finanzielle Hilfspaket, das der Staat in der Geschichte unseres Landes geschnürt hat. Neben dem finanziellen Kraftakt im Rahmen einer großzügigen Kurzarbeiterregelung, von der Hunderttausende von Beschäftigten profitieren, wollen Bund und Länder auch den von der Coronakrise betroffenen Unternehmen, vor allem Kleinbetrieben und Solo-Selbstständigen, in diesen schwierigen Zeiten unter die Arme greifen. Die Politik hat sich zum Ziel gesetzt, unkompliziert, unbürokratisch und vor allem schnell zu helfen.

Das ist großzügig und sinnvoll zugleich. Denn die unzähligen Eigentümer von Restaurants, Bars und Friseurläden haben derzeit andere Sorgen, als umfangreiche Prüfungen über sich ergehen zu lassen, Dutzende Formulare auszufüllen oder selbst Nachweise und Dokumente zusammenzustellen. Mit wenigen Klicks sollen die von der Coronakrise betroffenen Geschäftsleute Soforthilfen im vier- oder fünfstelligen Bereich erhalten, die sie nicht zurückzahlen müssen.

Finanzspritzen sind notwendig und richtig

So richtig und notwendig diese Finanzspritzen auch sind, so verantwortungsvoll sollte der Umgang mit ihnen sein. Es geht vor allem darum, Unternehmern zu helfen, die wegen der Coronakrise Liquiditätsprobleme haben, also ihre Rechnungen nicht bezahlen können, weil sie keine Einnahmen und Rücklagen vorweisen können. Der Staat möchte Unternehmer unterstützen, damit sie nach der Krise ihr Geschäft weiterbetreiben können und die deutsche Wirtschaft mit ihrer ganzen Vielfalt und Kreativität schnell wieder Fahrt aufnimmt.

Der Appell an alle Antragssteller muss lauten: Nutzt diese Großzügigkeit des Staates nicht aus! Denn letztlich handelt es sich um Geld, das zu höheren Staatsschulden führt, das aktuell zur Verfügung gestellt wird, aber eines Tages wieder zurückgezahlt werden muss – über höhere Steuern und Gebühren oder durch den Verzicht auf staatliche Ausgaben in der Zukunft.

So banal es auch klingen mag: Das Geld fällt nicht vom Himmel, wir alle stellen es bereit!

Schäden für Wirtschaft könnten irreparabel werden

So musste man in den vergangenen Wochen ein wenig irritiert darüber sein, dass gefühlt 90 Prozent der deutschen Unternehmen nach nur wenigen Tagen Shutdown – nach eigenem Bekunden – unmittelbar vor der Pleite standen. Rücklagen? Liquidität? Sind nicht vorhanden! Aussagen, die – vor allem, wenn es sich um bekanntere Unternehmer handelte – für Stirnrunzeln sorgten. Oder nimmt es der eine oder andere Firmenchef mit der Wahrheit dann doch nicht so genau? Dies wäre nicht nur dreist, sondern asozial – also gesellschaftsschädigend.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Das Gros der Unternehmen befindet sich aktuell im Ausnahmezustand, ist auf schnelle Hilfen angewiesen. Und wenn der Shutdown nicht bald gelockert wird, dürften die Schäden für die Wirtschaft und damit für uns alle irreparabel werden. Deshalb müssen – neben den Hilfen – in absehbarer Zeit wieder Lockerungen im Gesellschafts- und Wirtschaftsleben folgen.

Jeder muss Verantwortung übernehmen

Derweil macht Mut, dass es auch in Hamburg viele Unternehmen gibt, die sich jetzt ihrer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung stellen, selbst helfen und nicht sofort nach dem Staat rufen, weil sie es (noch) nicht nötig haben. So hat zum Beispiel der Hamburger Beiersdorf-Konzern seine Produktion in Teilen auf Desinfektionsmittel umgestellt und dieses in großen Mengen kostenlos an die Feuerwehr und ein Krankenhaus weitergegeben.

Aber auch viele kleine Firmen denken aktuell nicht nur an sich, spenden an Bedürftige. Diese Solidarität stimmt hoffnungsvoll. Denn in dieser Krise muss jeder Verantwortung übernehmen, für sich, seine Liebsten – aber eben auch für die Gesellschaft.