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Corona-Virus: Der Fußball vor der Pleite

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Alexander Laux
Alexander Laux ist Sportchef des Hamburger Abendblatts.

Alexander Laux ist Sportchef des Hamburger Abendblatts.

Foto: Andreas Laible

Die Gehälter der Profis müssen sofort gesenkt werden. Auch das Thema Kurzarbeit sollte ins Auge gefasst werden.

Christian Seifert gilt zu Recht als sachlicher, klug und kühl mit Fakten und Argumenten umgehender Mensch. Doch selbst beim Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga war ein leichtes Vibrato in seiner Stimme zu vernehmen während der getrost als historisch zu bezeichnenden Pressekonferenz in Frankfurt am Main. Die Lage bei den 36 Proficlubs der Bundesliga und der Zweiten Liga als dramatisch zu bezeichnen wäre nach den Aussagen Seiferts eher noch verniedlichend.

Mit jeder Woche mehr, in der der Profifußball pausieren muss, sinkt die Liquidität der Vereine. Kann der Spielbetrieb bis in den Sommer nicht wieder aufgenommen werden, so viel scheint klar, wird ein Großteil der Vereine zahlungsunfähig sein. Dass Seifert dabei vor allem auf die vielen Arbeitsplätze im Industriezweig Fußball hinwies, die jetzt im Feuer stehen, war richtig und wichtig. Es geht nicht darum, die Milli­onengehälter der Profis zu retten, sondern die kleinen Löhne derjenigen, die mit dem Fußball verbunden sind.

Fußballclubs sind Wirtschaftsunternehmen wie andere auch

Dass die Profis dennoch im Fokus stehen, ist logisch. Es gilt, möglichst schnell die Gespräche mit den Sportlern aufzunehmen und Gehaltskürzungen zu besprechen. Auch das Thema Kurzarbeit sollte, sofern es den Vereinen möglich ist, ins Auge gefasst werden. Fußballclubs sind Wirtschaftsunternehmen wie andere auch, warum sollen sie also nicht staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, um ihre Angestellten, zum Beispiel
auch die in der Geschäftsstelle, vor der Arbeitslosigkeit zu schützen?

Allen ist aber klar, dass mit diesen Maßnahmen nur Zeit gewonnen würde, das Sterben der Clubs zu verhindern. Auch wenn Geisterspiele keinem Fußballfan auch nur ein bisschen Spaß machen, so muss man inzwischen hoffen, dass im Mai oder Juni zumindest wieder Spiele ohne Zuschauer stattfinden können, damit das ganze Fußballsystem nicht völlig zusammenbricht.

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