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Wie das Coronavirus die Arbeit des Abendblatts verändert

| Lesedauer: 6 Minuten
Berndt Röttger
Berndt Röttger ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Berndt Röttger ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Andreas Laible / HA

Die Redaktion zieht ins Homeoffice, Veranstaltungsseiten verlieren ihren Sinn. Podcast-Pause – dafür ein neuer Newsletter.

Hamburg. Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde des Hamburger Abendblatts, immer montags wollen wir uns mit Ihren Wünschen oder Ihrer Kritik beschäf­tigen. Wir wollen über die großen Leser(brief)-Debatten sprechen und Einblicke in unsere Arbeit geben, sowohl in die Art, wie wir recherchieren, als auch, wie das Abendblatt gemacht wird. Wenn Sie dazu Anregungen haben, immer her damit: chefredaktion@abendblatt.de. Heute geht es um die Arbeit des Hamburger Abendblatts in Zeiten von Corona. Denn auch beim Hamburger Abendblatt ist natürlich plötzlich alles anders.

Als ich vor gut zwei Wochen in der Redaktion angekündigt habe, wir müssen uns darauf einstellen und darauf vorbereiten, dass wir abendblatt.de und die gedruckte Zeitung im schlimmsten Fall komplett von zu Hause aus produzieren, haben viele noch gelacht und meinten, das sei ja wohl völlig übertrieben. Jetzt brauchen wir genau dieses Szenario.

So sieht der Notfallplan des Abendblatts aus

Eine Redaktion wie das Hamburger Abendblatt ist auf eine Notproduktion vorbereitet. Es gibt Ausweichszenarien, für den Fall, dass wir im Verlagsgebäude am Großen Burstah nicht mehr arbeiten können. In dem Fall würde die Produktion der unterschiedlichen Ressorts in Teilen in die Büros der Regionalausgaben etwa in Pinneberg oder Ahrensburg verlagert. So war es etwa im Juli 2017 während des G-20-Gipfels vorgesehen.

Viele Reporter sind es ohnehin seit Jahren gewohnt, unterwegs zu arbeiten – oder umfangreichere Texte in Ruhe zu Hause zu schreiben und dann in die Redaktion zu schicken. Aber eine Produktion vom heimischen Schreibtisch aus? Das haben wir zuvor weder benötigt, noch war so etwas vorstellbar. In den vergangenen Wochen haben wir viele Produktionsredakteure, Fotoredakteure, Layouter und Schlussredakteure so ausgerüstet, dass sie ihre Arbeit auch von zu Hause erledigen können – entweder mit einem Notebook (soweit vorhanden) oder ihrem privaten Computer.

Coronavirus: Generalprobe bestanden

Am vergangenen Donnerstag gab es dann die große Generalprobe: Das mit Abstand größte Ressort des Abendblatts, das Hamburg-Ressort, arbeitete komplett aus dem Homeoffice. Ja, natürlich dauerte es etwas länger, und natürlich gab es einige Kommunikationsprobleme, aber im Großen und Ganzen verlief der Test erfolgreich. Zur Verbesserung werden jetzt die täglichen Konferenzen für die Ressorts per Video- oder Telefonkonferenz durchgeführt.

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Heute gehen eigentlich die Hamburger Skiferien zu Ende. Und natürlich war auch eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen zum Skilaufen in Österreich oder zum Sonnen in Italien. Für sie gilt: Geh nicht in die Redaktion – begib dich sofort ins Homeoffice. Der Rest der Redaktion verlagert von heute an in mehreren Schritten seine Arbeit komplett aus der Redaktion.

Dies hat gleich mehrere Gründe: Zum einen fehlt es vielen Kolleginnen und Kollegen an Kinderbetreuung, zum anderen wollen wir möglichst Fahrten in U- und S-Bahnen sowie Bussen vermeiden. Außerdem möchten wir so auch das Risiko einer Quarantäne für die gesamte Redaktion vermeiden, um produktionssicher zu bleiben. Denn gerade jetzt sind verläss­liche Informationen für unsere Leserinnen und Leser (gedruckt oder online) wichtiger denn je.

Eilmeldungen im Minutentakt

Die Eilmeldungen der Agenturen, neue, kaum fassbare Nachrichten unserer Reporter erreichten die Verantwortlichen der Onlineproduktion in den vergangenen Tagen von früh um 6 Uhr bis Mitternacht fast im Minutentakt. Allein am Donnerstag lieferten die Nachrichtenagenturen 20 Eilmeldungen – fast alle zum Thema Corona.

Die Onlineredaktion erstellt zum Thema Corona einen täglichen, ständig mit neuen Informationen anwachsenden Newsblog mit zahlreichen weiterführenden Verlinkungen sowie einer interaktiven Karte, auf der die Zahlen aller weltweit Erkrankten zu sehen ist. Außerdem wurde als neuer Service am Freitag ein Newsletter eingeführt, der zweimal pro Tag über die aktuellen Entwicklungen informieren soll. Anmeldung unter: abendblatt.de/corona-newsletter.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Dingen, die in diesen Zeiten plötzlich wegfällt. Um nur zwei Beispiele zu nennen:

Das Abendblatt verzichtet auf „Hamburg LIVE“

Die Kolleginnen und Kollegen der Kulturredaktion waren am Freitagnachmittag der Verzweiflung nahe: Kaum hatten sie einen Tipp für die tägliche Veranstaltungsseite „Live“ für die Sonnabendausgabe fertiggestellt, da erreichte die Redaktion die Absage der entsprechenden Veranstaltung. Irgendwann haben wir dann in der Chefredaktion entschieden: Die „Live“-Seite hat an diesem Sonnabend und auch an den kommenden Tagen keinen Sinn.

Ebenso, wie die wöchentliche Veranstaltungsbeilage „Hamburg LIVE“. Denn was findet noch statt? Und können wir den Menschen in einer solchen Situation wirklich Tipps für Partys oder Konzerte geben?

Podcast-Pause wegen Corona

Etwas pausieren muss leider vorerst auch eine Reihe unserer erfolgreichen Podcast-Formate: Denn mit mehreren Kolleginnen und Kollegen in einem engen Podcast-Studio zu sitzen ist gerade keine gute Idee – und Gäste von außen in eine verwaiste Redaktion einzuladen, ebenso wenig.

Was, wenn die Zeitung nicht kommt?

Auch auf größere Probleme bei der Zustellung (über das leider bekannte Maß hinaus) wegen des Coronavirus' haben wir uns vorbereitet: Kann die Zeitung nicht wie gewohnt zugestellt werden, veröffentlichen wir auf abendblatt.de einen Gutschein-Code, mit dem dann das E-Paper der Zeitung gelesen werden kann.

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