Meinung
Leitartikel

Coronavirus: Bleibt alle zu Hause!

| Lesedauer: 4 Minuten
Jule Bleyer
Jule Bleyer ist stellvertretende Leiterin der  Lokalredaktion.

Jule Bleyer ist stellvertretende Leiterin der Lokalredaktion.

Foto: Massimo Rodari

Je eher wir die Empfehlungen und Verbote der Regierung beachten, desto schneller werden sie entbehrlich.

Hamburg. Spätestens seit diesem Wochenende ist das Coronavirus im Alltag von uns allen angekommen. Wir müssen planen, wie wir unsere Kinder betreuen und trotzdem so gut es geht aus dem Homeoffice arbeiten können. Wir überlegen, wen wir überhaupt noch treffen sollten. Wir kennen jemanden, der aus einem Skigebiet in Österreich zurück­gekommen ist und nun „freiwillig“ in die häusliche Isolation geht.

Als Gesprächsthema war Corona schon allgegenwärtig, jetzt betrifft es unser aller Handeln. Und dabei müssen sich alle endlich den Ernst der Lage bewusst machen – auch die, die gesund und fit sind, und denken, sie werde es schon nicht treffen, und wenn, dann sei es nicht schlimmer als ein grippaler Infekt. Wer infiziert ist, merkt es erst bis zu zwei Wochen später. Und steckt, solange er weiter unbeschwert unterwegs ist, im Schnitt rund drei weitere Menschen an. Die dann jeweils auch drei Menschen anstecken und so weiter. So breitet sich die Krankheit exponentiell aus. Mathematisch muss man davon nur so viel verstehen: Es geht hier um ein rasantes Wachstum.

Hamburg hätte Bars eher schließen müssen

Darum gilt: Wir alle sollten zu Hause bleiben. Von uns aus, auch, wenn hier noch keine spanischen Verhältnisse herrschen. Dass die Behörden das soziale Leben jetzt weiter einschränken und Einrichtungen schließen lassen, ist vollkommen richtig. Kaum zu verstehen ist aber, warum das nicht schon vor dem Wochenende verfügt wurde – bevor alle noch einmal in die Clubs und Bars strömen. Ebenso unbegreiflich ist, dass es für Rückkehrer aus Risikogebieten nur eine Empfehlung gibt, sich in häusliche Isolation zu begeben. Hier wäre eine Pflicht zwingend erforderlich. Solange kann man nur appellieren, dass sich alle Betroffenen „freiwillig“ daran halten.

Auch wenn es eine große logistische Herausforderung und bestimmt auch eine psychische Belastung ist. Zwei Wochen ohne soziale Kontakte, dafür mit Kindern, denen schon nach zwei Tagen die Decke auf den Kopf fällt, das muss man erst einmal aushalten. Doch es ist entscheidend, und es kommt auf jeden Einzelnen an. Zum Schutz von uns allen.

Das Gleiche gilt für die Kinder-Notbetreuung, die jetzt in Kitas angeboten wird. Diese darf nicht von Eltern ausgenutzt werden, die nicht zwingend darauf angewiesen sind. Gleichzeitig müssen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern so weit wie möglich entgegenkommen.

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Wir müssen uns hier aufeinander verlassen können, und wenn nötig, unsere Mitmenschen auf neue Regeln aufmerksam machen – ohne daraus eine aggressive soziale Kontrolle zu machen.

Dieses Virus wird ein Test für uns alle. Damit ist nicht gemeint, ob wir es aushalten, eine Zeit auf Theater und Fußball zu verzichten. Es wird Unternehmen in den finanziellen Ruin und Menschen an ihre emotionalen Grenzen bringen.

Vor allem aber wird es Menschen krank machen, schwer krank. Daran sollten diejenigen denken, die sich im Supermarkt lautstark darüber beschweren, dass ihnen nur eine Packung Nudeln verkauft wird, weil die Hamsternden zu schnell für leere Regale und somit erst recht für Panikkäufe sorgen.

Corona: Weitere Einschränkungen kommen

Wen man am vergangenen Wochenende aber auch beobachten konnte: Die Nachbarin, die für die befreundeten Urlaubsrückkehrer den Quarantäne-Großeinkauf erledigt. Die Kita-Mutter, die eine private Kinderbetreuung bei sich organisiert. Wildfremde, die über Aushänge und im Netz anderen ihre Hilfe anbieten.

In der nächsten Zeit werden noch weitere Empfehlungen, Verbote und Beschränkungen auf uns zukommen. Je eher wir uns damit abfinden, daran halten und Ruhe bewahren, desto schneller werden sie wieder entbehrlich.

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