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Kommentar

Fußballer sollten auf einen Teil ihrer Gehälter verzichten

Der Autor ist Sportchef beim Hamburger Abendblatt.

Der Autor ist Sportchef beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Andreas Laible / HA

Dem Fußball droht der Kollaps. Doch er ist in der Lage, sich selbst zu helfen. Wie ein solches Szenario aussehen könnte.

Es wäre ein Leichtes, die Deutsche Fußball Liga (DFL) an den Pranger zu stellen für ihr Vorgehen am Freitag, als sie noch am Vormittag versuchte, als einzige Topliga in Europa den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Als dann noch Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern, betonte, es gehe letztlich um Finanzen, brach eine Welle der Entrüstung los.

Dabei sind zwei Dinge zu beachten: Der Verband folgte einerseits zu diesem Zeitpunkt den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der lokalen Behörden. Andererseits ging es natürlich um Geld und Arbeitsplätze in der Branche, und zwar nicht um die Millionarios in kurzen Hosen.

Fußball steht vor dem Finanz-Kollaps

Müssen sowohl die Bundesliga als auch die Zweite Liga ihre Saison vorzeitig beenden – und nach jetzigem Stand darf man frühestens Mitte Mai wieder mit Fußballspielen ohne Zuschauer rechnen – entgingen den Clubs Einnahmen in Höhe von insgesamt knapp einer Milliarde Euro, schätzen Branchenkenner. Nicht nur 9/34 der TV-Rechte fielen weg (rund 300 Millionen Euro), es gäbe auch Ausfälle beim Ticketing und Sponsoring.

Die Folge: Etliche Vereine stünden vor dem Ruin, viele Mitarbeiter müssten entlassen werden. Insofern ist es sogar nachvollziehbar, dass die DFL versuchte, noch einen Spieltag über die Bühne zu bekommen – auch wenn sie nicht ernsthaft daran glauben durfte.

Dass die Spielzeiten, ob im Fußball oder in anderen Sportarten, noch geregelt zu Ende gebracht werden können, glaubt inzwischen niemand mehr. Corona wird unsere Gesellschaft in den Grundfesten erschüttern, dabei vor dem (Welt-)Sport nicht haltmachen und ihn spätestens in ein paar Tagen vollständig zum Erliegen gebracht haben.

Fußballer sollten auf Gehälter verzichten

Es wird deshalb nötig sein, kreativ nach Auswegen und Lösungen zu suchen, das gilt zum Beispiel auch für den Profifußball. Die Clubs werden sich mit dem Gedanken befassen müssen, ob sie ihre Spieler in die Kurzarbeit schicken.

Umgekehrt wird, da muss man kein Prophet sein, sehr schnell der Druck auf die gut verdienenden Fußballprofis wachsen, auf einen großen Teil ihres Einkommens zu verzichten. Die Logik ist einfach: Waren sie die großen Profiteure des immensen Wachstums in den vergangenen Jahren, so kann es nicht sein, dass sie in dieser Megakrise auf Auszahlung ihrer Gehälter beharren und so ihren Arbeitgeber in die Insolvenz treiben. Bindende Verträge hin oder her.

Coronavirus: Clubs müssen Solidarität zeigen

Und auch die 36 deutschen Proficlubs, die am Montag in Frankfurt am Main beraten, stehen vor der großen Herausforderung, womöglich ihre eigenen Interessen hintanzustellen und über den Verteilungsschlüssel zu beraten, um die Konkurrenz vor dem Kollaps zu retten. Was für alle Bereiche der Gesellschaft gilt, muss im Speziellen der Fußball umsetzen.

Es braucht jetzt eine Solidarität, ein Miteinander, um diese schwierige Zeit zu überstehen. Das System ist stark genug, um es aus sich heraus zu schaffen, und benötigt, anders als andere Wirtschaftszweige, keine staatliche Hilfe.

Der Fußball muss sich (mit klarem, kühlen Verstand) darauf einstellen, dass es ein harter Kampf wird, bis wieder Normalität einkehrt. Insider halten nicht nur die Durchführung der EM und auch von Olympia in 2020 für illusorisch. Es ist ein realistisches Szenario, dass wir im gesamten Jahr überhaupt keine Fußballspiele mehr im Stadion erleben können.