Meinung
Kommentar

Weltfrauentag: Die Männer sind gefordert

Christian Unger
Christian Unger

Christian Unger

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Warum am Weltfrauentag ein Blick nach Island lohnt.

Das Peinlichste ist: Dieser Kommentar ist immer noch notwendig. Vielleicht gerade jetzt noch viel mehr. Frauen verdienen weniger als Männer. Frauen kümmern sich länger um die Kinder eines Paares. Frauen sind seltener Chefs, seltener Vorstandsvorsitzende. Weniger im Bundestag vertreten, weniger im Sportfernsehen. Dafür aber häufiger mit halb nacktem Oberkörper auf Werbeflächen.

Das alles ist seit Jahren so, Jahrzehnten. Immer wieder wird gefordert und verhandelt: Frauen müssen gestärkt werden. Sie sollen gleiche Chancen haben. Passiert ist zu wenig.

Da nützt es auch nichts, dass Bundesländer wie Berlin den Internationalen Frauentag als Feiertag begehen. Es geht um wirksame Instrumente wie die Einführung von Quoten oder die paritätische Besetzung von Parlamenten. Doch der Widerstand dagegen ist massiv. Er kommt von den Unternehmen, er herrscht aber auch nach wie vor besonders in den Unionsparteien. CDU-Mann Friedrich Merz, der im Jahr 2021 Kanzler werden will, hält gleich stark besetzte Wahllisten von Männern und Frauen für „Diskriminierung von Männern“.

Beim Thema Gleichberechtigung ist auch der Gesetzgeber gefordert. Seit neun Jahren ist der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen in dem kleinen Inselstaat Island weltweit am niedrigsten. Deutschland landet beim „Gender Gap Report“ 2018 auf Platz zwölf. In Island müssen Führungspositionen zu 40 Prozent von Frauen besetzt sein. Fast alle Väter gehen in Elternzeit. Das Gesetz regelt es so: Drei Monate sind reserviert für die Frau, drei für den Mann. Und drei weitere kann das Paar frei einteilen. Für manche mag das radikal klingen. Für andere klingt das einfach nur gerecht. Die Männer sind gefordert. Diskriminiert werden nur die Frauen. Auch unsere Töchter.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Meinung