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Kommentar

Verkehr – Hamburg muss mutiger werden

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Matthias Popien ist Redakteur in der Lokalredation des Hamburger Abendblattes.

Foto: Birgit Schücking

Ein neuer S-Bahn-Tunnel für Hamburg? Hamburg sollte die Idee freudig annehmen – allen Unwägbarkeiten zum Trotz.

Es ist schon ein bisschen kurios, dass ausgerechnet Enak Ferlemann, Bundestagsabgeordneter aus Niedersachsen, den Hamburgern erklären muss, wie der S-Bahn-Verkehr verbessert werden kann. Ein weiterer Tunnel, natürlich! Während die Stadt über autofreie Zonen streitet und sich an der Frage erhitzt, ob Busse noch durch die Mönckebergstraße fahren dürfen oder nicht, denkt man im Bundesverkehrsministerium offenbar in größerem Maßstab.

Das ist gut so, birgt allerdings auch einige Gefahren. Die verkehrlichen Vorteile eines Tunnels sind unbestreitbar – unbestreitbar ist aber auch, dass Tunnelbau nicht gerade zu den einfachen Disziplinen zählt.

Die Münchner erleben das gerade. Dort wird bereits an einem zweiten S-Bahn-Tunnel unter der Innenstadt gebaut. Vor 20 Jahren war die Machbarkeitsstudie fertig, 2017 war Baubeginn, 2028 soll der sieben Kilometer lange Tunnel fertig sein. Derzeitige Preisvorstellung: 3,2 Milliarden Euro.

Es könnte dauern und sehr teuer werden – trotzdem sollte man den Vorschlag nicht verwerfen

Es könnte also ziemlich lange dauern und viel teurer werden, bis aus Ferlemanns Tunnelidee in Hamburg Wirklichkeit wird. Dennoch sind die bayerischen Ereignisse kein Grund, den Vorschlag vorschnell zu verwerfen. Schließlich hat sich Hamburg durchaus ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt. Die sind nur mit weniger Pkw-Verkehr zu erreichen – und dieser wiederum nur mit einem besseren Angebot an Bussen, U- und S-Bahnen. Ferlemanns Vorschlag geht also ziemlich genau in die Richtung, die der Senat einschlagen will. Angesichts dieser Tatsache sind die teilweise doch recht zurückhaltenden Reaktionen mancher Hamburger Politiker auf den Tunnelplan irritierend, wenn nicht gar hinderlich.

Nein, Ferlemanns Vorschlag sollte ein Grund zur Freude sein – auch wenn er von einem Niedersachsen stammt.