Meinung
Leitartikel

Ein Hafen der Klimawende – wegen See- und Bahntransport

| Lesedauer: 3 Minuten
Martin Kopp
Autor Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Autor Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Foto: Reto Klar / HA

Hamburg wird bei umweltfreundlichen Transporten eine immer größere Rolle spielen.

Seit Langem wird über den wirtschaftlichen Wert des Hamburger Hafens gestritten. Schon vor Jahrzehnten bemängelten die Grünen, dass der Senat zu viel Geld für den Ausbau teurer Hafeninfrastruktur verschwende, anstatt neue Technologien zu fördern.

Später beklagte der Wohnungsbau, der Hafen würde der Weiterentwicklung der Stadt insbesondere an den attraktiven Lagen am Wasser im Wege stehen. Schließlich warfen die Umweltschützer mit ihrer Blockade gegen die Elbvertiefung die Frage darüber auf, wie viel man überhaupt in die Natur eingreifen darf, um die Schiffe nach Hamburg zu bringen und die Containerkräne im Hafen am Laufen zu halten.

Hafen passte sich wechselnden Umständen an

Dabei sprechen immer mehr Argumente für den Hafen. Er ist leistungsfähig und intakt. Das hat er im vergangenen Jahr wieder eindrucksvoll bewiesen. Nicht so sehr wegen der gestiegenen Anzahl an Containern, die hier umgeschlagen wurden – die kommen und gehen, wie es den Reedereien beliebt –, sondern vielmehr, weil der Hafen flexibel auf die zusätzlichen Mengen reagieren konnte und seine Kapazitäten im Weitertransport per Bahn entsprechend angepasst hat.

Sprechen wir über die Bedeutung des Hafens, ist das mit der Bahn kein zu vernachlässigendes Detail, insbesondere wegen des Klimawandels. Unter diesem Gesichtspunkt spielt der Hafen nicht mehr nur für die Transportbranche, sondern für die gesamtgesellschaftliche Ökonomie eine besondere Rolle.

"Klimawende funktioniert nur mit dem Hafen"

Lassen wir die natürlichen Schwankungen, die von Einzelereignissen wie Handelskriegen und Coronavirus hervorgerufen werden, einmal beiseite und konzentrieren wir uns auf die wesentlichen Fakten: Die Klimawende funktioniert nur mit dem Hafen. Der Transport riesiger Mengen an Gütern ist mit Lkw oder Flugzeugen derzeit nur mit horrenden Folgen für die Umwelt und den CO2-Ausstoß zu leisten. Wesentlich umweltfreundlicher ist der Seetransport, und zwar möglichst weit ins Hinterland hinein. Den gibt es nicht in Rotterdam und Antwerpen, sondern in Hamburg.

Das ist ein Fakt, auch wenn die Schifffahrt völlig zu Recht für die riesigen Mengen an gefährlichen Treibhausgasen verantwortlich gemacht wird, die ihre Schornsteine verlassen. Es bleibt dabei: Will jemand 100 Fernseher von Japan nach Hamburg versenden, geht das am umweltfreundlichsten mit dem Schiff.

Was dem Hamburger Hafen noch mehr in die Hände spielt, ist seine bereits erwähnte große Kapazität zum Weitertransport der Güter per Bahn. Dieser ist, solange Lkw mit fossilen Treibstoffen betrieben werden müssen, in Bezug auf den Klimaschutz ohne Alternative. Kein europäischer Hafen hat ein so gut ausgebautes Netz an Schienenverbindungen wie Hamburg.

2,7 Standardcontainer mit Zügen abtransportiert

1300 Züge rollen aus dem Hamburger Hafen wöchentlich ins Hinterland – nach Polen, Tschechien oder Österreich. 2019 waren es 2,7 Millionen Standardcontainer, also 2,7 Millionen Lkw-Fahrten weniger. Nicht nur aus volkswirtschaftlicher, sondern auch aus ökologischer Sicht ist der Hafen also von großer Bedeutung.

Kann man sich darauf ausruhen? Nein. Alle Überlegungen, den Hafen sauberer zu machen, sind notwendig und richtig. Landstrom, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe – egal was sich am Ende als das richtige Mittel herausstellt: Es muss vorangetrieben werden.

Die Elbvertiefung muss schnell fertiggestellt werden, um den Vorteil des Transports großer Mengen mit einem Motor voranzutreiben. Schließlich ist der Ausbau der Kapazitäten im Schienenverkehr unverzichtbar. Hier ist aber nicht nur Hamburgs Politik in der Pflicht, sondern auch der Bund.

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