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Kommentar

Hauptbahnhof: Schöne Pläne genügen nicht

Peter Ulrich Meyer
Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblatts.

Peter Ulrich Meyer leitet das Ressort Landespolitik des Hamburger Abendblatts.

Foto: HA / A.Laible

Ein Tunnel als Milliardenprojekt, ein neues Glasdach und jetzt die "große Lösung": Hamburgs Hauptbahnhof muss endlich entlastet werden.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei der Diskussion über das Nadelöhr Hamburg Hauptbahnhof besonders weit auseinander. Es vergehen kaum ein paar Wochen, ohne dass eine neue Idee verkündet wird, wie die aus allen Nähten platzende zentrale Drehscheibe des Bahnverkehrs umgestaltet und modernisiert werden kann.

Zuletzt hatte Enak Ferlemann, CDU-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, mit dem ziemlich überraschenden Vorschlag, einen separaten Tunnel für die S-Bahnen zu graben und damit die Bahnhofsgleise zu entlasten, für Aufsehen gesorgt. Jetzt plant der Bund offenbar „eine große Lösung für Hamburg“, was möglicherweise eine weitreichende Überdachung der Gleise von der Steintor- bis zur Altmannbrücke am Hühnerposten einschließt.

Hauptbahnhof Hamburg: Glasdeckel geplant

Ein derart gigantischer Glasdeckel als Verlängerung der Bahnhofshalle – bislang war nur eine deutlich kürzere Version im Gespräch – wäre in der Tat sehr schön und würde den Fahrkomfort, besser gesagt, den Wartekomfort der Bahnreisenden deutlich erhöhen.

Seit sehr langer Zeit wird über Umbau und Modernisierung des Hauptbahnhofs debattiert, den Ex-Bahnchef Rüdiger Grube als „größten Flaschenhals“ der Deutschen Bahn bezeichnete. Den täglich 500.000 Reisenden muss der laufende Überbietungswettbewerb in Sachen Planungsideen angesichts der tristen Realität wie Hohn vorkommen. Es ist dringend nötig, zu verbindlichen Abmachungen zwischen den Akteuren zu gelangen.

Das wird schwierig genug. Zwar gehören der Bahnhof und die Gleise dem Bund, aber die Vorplätze der Stadt, die auch in Sachen Denkmalschutz ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Solange das aussteht, gilt der Satz aus Goethes „Faust“: Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

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