Meinung
Kolumne "Sie haben Post"

Zwischen Hamburg und Berlin: Die SPD hat sich verirrt

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Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero

Im E-Mail-Wechsel von Christoph Schwennicke und Lars Haider geht es heute um die EU, die SPD und einen gerade rechtzeitigen Abgang.

Christoph Schwennicke, Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, einerseits ist es komisch, dass die Briten die EU verlassen. Andererseits macht es mich froh und ein wenig stolz, dass es keine weiteren Absetzbewegungen gibt. Vielleicht hat dieser unsägliche Brexit-Prozess auch etwas Gutes – nämlich, dass er anderen eine Warnung ist, bloß in der EU zu bleiben.

Schwennicke: Das kann abschreckend wirken. Oder einladend. Dann, wenn es Großbritannien nicht schlechter geht außerhalb der EU. Das wäre nicht abschreckend, sondern zur Nachahmung einladend. Dann ribbelte sich der schöne Pullover Europäische Union von unten her auf.

Haider: Hoffen wir mal, dass es so weit nicht kommt. Und hofft ihr in Berlin darauf, dass ihr eine neue Regierende Bürgermeisterin bekommt? Bundesfamilienministerin Franziska Giffey scheint sich ja auf den Weg zu machen. Kann sie Berlin retten?

Schwennicke: Auf ihr ruhen jedenfalls große Hoffnungen. Und Sympathien hat sie hier auch. Das Beste, was man über den amtierenden Regierenden Bürgermeister Michael Müller sagen kann, ist, dass er es endlich eingesehen hat: Spät geht er, doch er geht. Aber noch rangiert die SPD hier unter ferner liefen. Im Unterschied zu Hamburg, wo Peter Tschentscher seinen Vorsprung leicht ausbaut. Schafft er es?

Haider: Nicht ablenken! Was heißt es für die SPD, dass Frau Giffey aus der Regierung in die Landespolitik geht?

Schwennicke: Ach menno! Also: Sie ist für mich diejenige, die einer völlig verirrten SPD eine neue Richtung geben kann, eine, die dort herkommt und auch dort hingeht, „wo es brodelt, riecht und stinkt“, wie Sigmar Gabriel mal von seinen Sozialdemokraten gefordert hat. Und die dann kommen kann, wenn die Verirrten krachend gescheitert sind. Aber das ist jetzt Langstrecke und setzt voraus, dass die SPD nicht vorher aufhört zu existieren.

Haider: Das hast du einmal mehr sehr schön gesagt.

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