Meinung
Kommentar

Hamburg hat einen Altlasten-Skandal

Peter Wenig

Peter Wenig

Foto: Andreas Laible / HA

Die Steuerzahler müssen für Geschäfte von Deponien büßen

Die Zahl sprengt jede Dimension. Fast 191 Millionen Euro würde es kosten, die Altlasten der ehemaligen Deponie Neusurenland komplett zu beseitigen. Mit dieser Summe könnte die Stadt die Brutto-Jahresgehälter von mehr als 5000 Erziehern finanzieren. Nein, aus volkswirtschaftlicher Sicht macht Wohnungsbau dort keinen Sinn.

Daher ist es richtig, dass die Stadt das Grundstück stattdessen mit gut drei Millionen Euro für ein Sport- und Freizeitgelände fit machen will. Dies bedeutet jedoch keineswegs einen grundsätzlichen Kurswechsel. Weiter setzt Hamburg darauf, Grundstücke von Altlasten zu befreien, um dort Platz für Wohnungen zu schaffen – ökologisch allemal sinnvoller, als weitere Grünflächen zu versiegeln. Erfolgsbeispiele wie das Projekt Kolbenhöfe in Altona, wo das Gelände für einen noch vertretbaren Aufwand saniert wurde, gibt es genügend. Die Bundesregierung wäre gut beraten, solche Programme zu fördern.

Und doch bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Wie bei Neusurenland ist es in aller Regel nicht mehr möglich, die Verursacher haftbar zu machen. Stattdessen müssen die Steuerzahler für die Geschäfte von Deponie-Betreibern bis weit in die 1960er-Jahre büßen. Neben Bauschutt und Sperrmüll wurde auch hoch belasteter Industriemüll in Gruben gekippt. Interessiert hat es kaum jemanden, irgendwann wuchs im wahrsten Sinne des Wortes Gras darüber.

Die 191-Millionen-Rechnung von Neusurenland ist daher auch eine Mahnung: Für Umweltschäden haften Generationen. Ja, manches an „Fridays for Future“ mag nerven, mitunter wirkt die Greta-Thunberg-Bewegung etwas inszeniert. Aber hätte sich vor 50, 60 Jahren gegen den laxen und in Teilen kriminellen Umgang mit Altlasten ein medial ähnlich wirksamer Protest formiert, wäre uns nun vieles erspart geblieben.