Meinung
Zwischenruf

Lieber Wortgefechte statt Massenschießerei

Abendblatt-Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher

Abendblatt-Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher

Foto: Andreas Laible / HA

Die Scrabble-App ist kein Ersatz fürs Spiel im realen Leben, aber praktisch. Wenn da bloß diese elendige Werbung nicht wäre.

Der Ärmste, er ist schon arg zerfleddert. Er wird ja auch richtig intensiv genutzt, mein allwissender Ratgeber, der angeblich von den Begriffen „abmeierst“ bis „zwieselig“ alles drauf hat, was die deutsche Sprache hergibt. Und so ent­decke ich in meinem Scrabble-Duden immer noch neue spannende Begriffe. Wortfindungsstörungen? Sind mir als Fan des kreativen Buchstaben-Spiels glücklicherweise fremd.

Vorzugsweise scrabble ich in der realen Welt, mit einer leibhaftig anwesenden Mitspielerin, die sich – ebenso wie ich – über außergewöhnliche Worte mehr freuen kann als über das tatsäch­liche Gewinnen. Aber manchmal verhilft mir auch die Scrabble-App auf dem Smartphone zu einem willigen Gegner. Ein paar Spielzüge während der Bahnfahrt oder im Wartezimmer verkürzen die Zeit aufs Angenehmste.

Wenn da die elendige Werbung nicht wäre! Dass mich das Internet nach gefühlt jedem neu gelegten Wort zu anderen Knobel- und Denkspielen verführen will, kann ich noch einigermaßen gelassen hinnehmen. Klick und weg. Doch neuerdings ist mein Smartphone auf gefährlichen Ab- um nicht zu sagen Irrwegen. Jetzt will man mich allen Ernstes dazu animieren, mir die App eines Sniper-Spiels herunterzuladen. Aus der Deckung heraus andere abknallen? Sorry, Leute, nicht mit mir! Der „Fire“-Button bleibt unangetastet, die Grafik-Menschen am Leben.

Ich bleibe lieber bei meiner harmlosen Buchstaben-Knobelei. Statt Massenschießerei nur Wort-Gefechte. Mein treuer Scrabble-Duden liegt schon wieder griffbereit. Ein paar Eselsohren kann er noch vertragen.