Meinung
Gastbeitrag

Wie Donald Trump seinem eigenen Land schadet

Prof. Dr. Karl-Werner Hansmann ist emeritierter Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg.

Prof. Dr. Karl-Werner Hansmann ist emeritierter Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg.

Foto: Jürgen Joost

„America First“ mal ganz anders: Die Zeche seiner Strafzölle zahlen zuallererst die US-Bürger, beweisen ökonomische Studien.

Die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump konzentriert sich seit einiger Zeit vor allem darauf, durch Einfuhrzölle politische Ziele durchzusetzen und Länder, die die von ihm diktierten Handelsbedingungen nicht akzeptieren wollen, zu bestrafen. Das betraf in erster Linie China, Mexiko und Kanada, während die EU zunächst von drastischen Zollerhöhungen ausgenommen wurde. Es liegt auf der Hand, dass diese Länder – insbesondere China – nicht tatenlos zusehen, sondern ihrerseits mit Zöllen auf US-amerikanische Waren Vergeltung üben. Damit haben wir den klassischen Fall eines Handelskrieges vor uns.

In der ökonomischen Theorie ist seit Langem bewiesen, dass es bei Handelskriegen auf längere Sicht nur Verlierer gibt, da Zölle den effizienten Austausch von Waren und Dienstleistungen behindern und damit die Bedürfnisse der Konsumenten schlechter gedeckt werden (sog. Wohlfahrtsverluste). Daraus folgt theoretisch, dass der US-Präsident mit seiner aggressiven Zollpolitik auch dem eigenen Land erheblichen Schaden zufügen würde. Es fehlte aber bisher ein empirischer Nachweis dafür.

Um diesen Nachweis zu führen, benötigt man Daten über die Entwicklung der amerikanischen Importpreise und -mengen der von den Zolländerungen betroffenen Produkte vor und nach den Zollanpassungen. Diese monatlichen Daten sind inzwischen für das Jahr 2018 veröffentlicht worden. Die äußerst umfangreiche Vielfalt von importierten Produkten (bis hin zu Baseball-Handschuhen aus China) erschwert allerdings die ökonomische Analyse erheblich. Es ist das Verdienst der New Yorker Filiale der US-Zentralbank und zweier Kollegen aus Princeton und der Columbia University, das Zahlenmaterial so aufbereitet zu haben, dass eine ökonometrische Zeitreihenanalyse möglich wird. Bei der Anwendung dieser Methoden kommen wir zu sehr ähnlichen Ergebnissen.

US-Bürger müssen die Preiserhöhungen allein tragen mussten

Das Jahr 2018 ist für die Untersuchung besonders geeignet, weil die Zölle für bestimmte Produkte und Staaten von Präsident Trump in sechs Wellen zwischen Dezember 2017 und Oktober 2018 erhöht worden sind. Bei der ersten Welle der Zollerhöhungen auf Haushaltsgeräte und Solaranlagen ergibt sich für US-Konsumenten zum ersten Mal nach sechsjährigen Preisrückgängen ein signifikanter Preisanstieg etwa in Höhe des Zolls. Diese Tendenz setzt sich in den folgenden Wellen bei Stahl, Aluminium und anderen Gütern speziell gegenüber chinesischen Exporten in die USA fort.

Die Analyse kommt zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die ausländischen Anbieter ihre Abgabepreise nach den Zollerhöhungen nicht verändert haben, sodass die Endpreise für diese Waren auf dem amerikanischen Markt im Durchschnitt um den von Trump verordneten Einfuhrzoll gestiegen sind. Damit ist klar, dass die US-Bürger die Preiserhöhungen allein tragen mussten.

Das ist aber nicht die einzige negative Wirkung von Trumps Zollpolitik. Aus den Daten von 2018 lässt sich ökonome­trisch erschließen, dass US-Wettbewerber ihre Preise im amerikanischen Binnenmarkt ebenfalls erhöht haben, ohne von den Zöllen betroffen zu sein. Das wurde teilweise damit begründet, dass die für die Produktion benötigten importierten Rohstoffe und Zwischenprodukte durch die Zölle teurer geworden seien. Plausibler ist allerdings die Erklärung, dass die einheimischen Produzenten den durch Trumps Zollpolitik entstandenen Wettbewerbsnachteil vor allem der chinesischen Anbieter ausnutzen wollten, um eigene Preiserhöhungen bei den Verbrauchern durchsetzen zu können.

Hälfte der US-Inflation von Trumps Zollpolitik verursacht

Rechnet man die Preiserhöhungen der vom Einfuhrzoll betroffenen Güter zusammen, so kann festgestellt werden, dass etwa die Hälfte der US-Inflationsrate von zwei Prozent im Jahr 2018 von Trumps Zollpolitik verursacht wurde. Für 2019 liegen noch keine Daten über die Auswirkungen seiner Strafzölle vor. Wenn der angestrebte Deal mit China nicht zustande kommen sollte, wird man auch die kostenintensive Umsteuerung der weltweiten Wertschöpfungsketten – an Zollschranken vorbei – mit einbeziehen müssen. Die US-Notenbank schätzt, dass Preiserhöhungen, Mengenkürzungen und Umsteuerung der Wertschöpfungsketten einen Wohlfahrtsverlust von jährlich 165 Milliarden US-Dollar verursachen werden, wovon der größte Verlust auf die Vereinigten Staaten entfällt. Präsident Trump hat also in erster Linie seinem eigenen Land Schaden zugefügt. Sein Wahlspruch „America First“ trifft somit auch hier voll zu.