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Kommentar

Streit über Schiffbauauftrag für Blohm+Voss

Martin Kopp
Autor Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Autor Martin Kopp ist Hafenexperte des Hamburger Abendblatts

Foto: Reto Klar / HA

Hamburg. Die Mitarbeiter der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss können jubeln. Die Auslastung des vor gar nicht allzu langer Zeit noch ums Überleben kämpfenden Schiffbaubetriebs ist dank des neuen Mehrzweck-Kampfschiffs
der Marine auf ein Jahrzehnt gesichert. Hauptauftragnehmer ist allerdings die niederländische Werft Damen Shipyards Group. Es ist nur ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet der Mann, der einst die Allianz mit den Holländern für diesen Großauftrag geschmiedet hat, davon nichts mehr hat: Der einstige Geschäftsführer von Blohm+Voss, Dieter Dehlke, hat die Werft vor wenigen Wochen verlassen.

Profiteur des Megadeals ist neben Damen und den Hamburgern die Bremer Werftengruppe Lürssen. Sie hatte zunächst zusammen mit ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) für die neue Allzweckwaffe der Marine geboten, war aber frühzeitig vom Verteidigungsministerium aus dem Rennen geworfen worden. Nach der Übernahme von Blohm+Voss ist Lürssen wieder mit im Boot. Aus Hamburger Sicht ein Erfolg.

Hauptauftragnehmer ist und bleibt aber Damen und damit keine deutsche Werft. In den Niederlanden laufen künftig die Fäden für die neue Hochleistungstechnologie der deutschen Marine zusammen. Die Entscheidung, den Auftrag europaweit auszuschreiben, ist sowohl von der Industrie als auch von den Gewerkschaften angegriffen worden. Sie befürchten, dass dem deutschen Schiffbau bei der Vergabe von Aufträgen ins Ausland Kompetenzen im Bau militärischer Schiffe verloren gehen. Verteidigungsministerium und Wirtschaftsministerium in Berlin streiten seit Monaten darüber, ob für verteidigungswichtige Schlüsseltechnologien überhaupt europaweite Ausschreibungen notwendig sind. Für künftige Projekte muss eine schnelle Einigung her.

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