Meinung
Kolumne „Sie haben Post“

„Der Termin des Jahres ist schon verstrichen“

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Lars Haider (l.) ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins "Cicero".

Foto: Laible/Cicero

Im E-Mail-Wechsel von Abendblatt und „Cicero“ geht es heute um die bevorstehenden Bürgerschaftswahlen.

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, ich wünsche dir ein frohes Jahr und mir viele kluge Mails von dir. Wir hatten ja bei unserem Neujahrsempfang die Spitzen von Grünen, Linken und SPD zu Gast, und ich muss sagen: Annalena Baerbock, Robert Habeck und Franziska Giffey sind genau die Politikertypen, die uns lange gefehlt haben. Fröhlich, bodenständig, mit einer Sprache, die weit entfernt vom Politik-Sprech ist. Auch Bernd Riexinger von den Linken hat mich beeindruckt: ein freundlicher, empathischer Mensch mit einer klaren Haltung.

Schwennicke: Das liegt vor allem an deiner ansteckenden Fröhlichkeit. Mit dem Neujahrsempfang ist ja der wichtigste Termin des Jahres in Hamburg schon verstrichen. Der zweite und vorläufig letzte, an dem Hamburg bundesweit Aufmerksamkeit erhält, steht vor der Tür. Wer macht das Rennen bei der Wahl?

Haider: Das ist schwer zu sagen. Aber es war interessant zu sehen, dass sich auf meine Frage, wer glaubt, dass der Senat aus zwei Parteien bestehen werde, sowohl Bürgermeister Peter Tschentscher als auch die grüne Spitzenkandidatin Katharina Fegebank gemeldet haben. Soll heißen: Die rechnen mit Rot-Grün oder Grün-Rot. Es wird ein großer Kampf.

Schwennicke: Angeblich soll sich Herr Tschentscher ja auch ausdrücklich gewünscht haben, keine Wahlkampfunterstützung vor Ort von den neuen SPD-Chefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans zu bekommen, weil weder sie noch er ihn und die Hamburg-Wahl in den Parteitagsreden erwähnt haben. Das ist auch ein No-Go, zumal es sich um die einzige Landtagswahl 2020 handelt.

Haider: Dabei ist Hamburg als traditionelle Hochburg für die SPD alles andere als unwichtig. Trotzdem kann die neue Spitze nur verlieren: Wird die SPD in Hamburg stärkste Partei, ist das ein Sieg von Tschentscher, der konsequent die Politik von Olaf Scholz fortsetzt. Werden die Grünen stärkste Partei, hat die SPD auch noch Hamburg verloren.

Schwennicke: Na ja, wenn Tschentscher gewinnt, dann werden sie sich das schon als Rose ins Knopfloch stecken.